Magdeburg l In den 16 Kitas der Verbandsgemeinde Flechtingen steigt die Belegungsquote derzeit fast täglich: „In einigen Einrichtungen auf bis zu 8o Prozent“, sagt Kita-Koordinatorin Stefanie Heidemann-Müller. Ähnliches Bild in Salzwedel: „Auch wir haben Spitzen von bis zu 80 Prozent“, sagt Kita-Eigenbetriebsleiterin Doris Gensch. „Das ist eine mittelschwere Katastrophe und definitiv keine Notbetreuung mehr“, sagt Gensch.

Brief an Haseloff

Heidemann-Müller ergänzt: „Für uns ist die Lage schwierig, wir wollen den Eltern entgegenkommen, aber auch unsere Mitarbeiter schützen.“

Das Problem: Weil die Arbeit mit Kleinkindern Körpersprache und Nähe erfordert, verzichten Erzieher in der Regel auf Mundschutz, der Mindestabstand entfällt. „Wir putzen Kindern auch weiter die Nase, wenn sie einen Rotz haben.“ Bei solcher Arbeit entstünden in Corona-Zeiten aber verständlicherweise Ängste, ergänzt Heidemann-Müller.

Sachsen-Anhalt hat die Notbetreuung eingerichtet, um Eltern von Kindern (bis 12 Jahre) in systemrelevanten Berufen zu ermöglichen, trotz Lockdown zur Arbeit zu gehen. Aber: „Das Land hat die Branchen großzügig festgelegt“, sagt Heidemann-Müller. Tatsächlich finden sich in der Verordnung des Landes ganze Branchen statt klar umrissener Berufe. Neben Beschäftigten der medizinischen Versorgung haben etwa auch Eltern aus Finanz- oder Versicherungswesen Anspruch. Zudem: Um Eltern zu entsprechen, kommen Träger diesen oft entgegen. Bestätige ein Arbeitgeber, dass der Mitarbeiter gebraucht wird, werde das kaum hinterfragt, sagt Doris Gensch.

Frühere Impfmöglichkeiten?

Die Bildungsgewerkschaft GEW hat sich nun in einem Brief an Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) gewandt. Darin fordert sie, Erzieherinnen früher als bislang geplant Impfangebote zu machen. Regierungssprecher Matthias Schuppe sagte, die Staatskanzlei werde das zuständige Sozialministerium um Stellungnahme bitten, danach werde der Brief beantwortet. Der Durchschnitt der Notbetreuungs-Belegung liege weit unter den Zahlen aus Flechtingen oder Salzwedel, ergänzte Schuppe.

Tatsächlich lag die Quote landesweit laut Sozialministerium in Kitas zuletzt (19. Januar) bei 31 Prozent – 3 Prozent mehr als in der Vorwoche. In Grundschulen waren es 21,4 Prozent (+ 3,3 Prozent). Ausreißer gibt es aber auch andernorts, so in Magdeburg. Die rund 100 Kitas der Stadt sind zu etwa 30 Prozent belegt. In der Kita „Klinikzwerge“ des Uniklinikums sind es wegen der Tätigkeit vieler Eltern im Krankenhaus indes mehr als 70 Prozent.

Das Sozialministerium teilte mit, zum Schutz der Kita-Mitarbeiter habe das Land gut 40.000 Schnelltest-Kits verteilt. Eine Verstetigung solcher Angebote werde geprüft. Bei hohen Belegungen seien Kinder im Einzelfall auf andere Einrichtungen zu verteilen. Bei der Impf-Reihenfolge gibt der Bund die Regeln vor: Erzieher und Lehrer sind aktuell in der Gruppe der dritthöchsten Priorität. Mit Blick auf Änderungen stünden Bund und Länder im „steten Austausch“, hieß es vom Ministerium.