Magdeburg l Der Goldpreis hat seit dem Corona-Crash an den Märkten im Februar und März einen Lauf hingelegt. Anfang August erreichte er ein historisches Hoch in Euro und US-Dollar. 2075 US-Dollar kostete eine Feinunze (31,1 Gramm). Aktuell liegt sie bei fast 1900 Dollar - rund 28 Prozent über dem Stand vor einem Jahr.

Und die Anleger? Lassen sich von den hohen Preisen nicht abschrecken und rennen den Banken und Goldhändlern mitunter die Bude ein. Im ersten Halbjahr deckten sich die Deutschen mit 83 Tonnen Gold ein - 120 Prozent mehr als im Vorjahr.

Online-Shops von großen Händlern wie Degussa und Pro Aurum erlebten während der Corona-Beschränkungen Anfang April einen Ansturm. Bestellungen von Münzen und Barren wurden erst beschränkt, dann zeitweise eingestellt. Es gab Lieferschwierigkeiten, weil die großen Goldverarbeiter im Lockdown die Produktion einstellen mussten.

Und auch die Sachsen-Anhalter bekommen bei Gold ein Glänzen in den Augen. Die Stadtsparkasse Magdeburg verzeichnet eine verstärkte Nachfrage nach physischem Gold, darunter fallen Barren und Münzen. Zudem sei das Interesse nach einem Anlagegoldkonto gewachsen. Dabei können Einmalbeiträge oder regelmäßige Sparbeiträge investiert werden.

„Die Deutschen sind sehr goldaffin.“

Michael Ott, Rohstoffanalyst Commerzbank

Bei der Commerzbank Magdeburg habe sich nach Angaben einer Sprecherin die Nachfrage nach physischem Gold leicht erhöht. Verstärkt nachgefragt werde Gold allerdings insbesondere in Form von börsengehandelten Fonds.

Die besondere Strahlkraft des Edelmetalls – die Deutschen schwören mehr als jede andere Nation darauf: 75 Prozent besitzen das Edelmetall in irgendeiner Form. Rund 6,5 Prozent der Bestände weltweit liegen in Deutschland – das ist mehr als in den Schatzkammern der US-Notenbank. „Die Deutschen sind sehr goldaffin“, sagt Michael Ott, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank. „Wir haben schon einige Währungsreformen hinter uns. Die Älteren haben das in den Köpfen.“ Das dürfte einer der Gründe für den Goldkonsum sein, so Ott.

Warum kaufen die Menschen in diesen Zeiten Gold? Was ist dran am schimmernden Edelmetall als Währung der Angst? Rechnen die Anleger, die es kaufen, mit Geldentwertung? Befürchten sie, dass Negativzinsen ihre Ersparnisse auffressen? Oder ist bei vielen die Furcht vor den Corona-Folgen und der nächsten Weltwirtschaftskrise im Spiel? „Ich würde Gold nicht als Krisenwährung bezeichnen, das trifft es nicht in jedem Fall. Es ist eher eine Alternativwährung“, sagt Experte Ott. Krisen seien häufig kurzlebig, sie wirkten sich nur insofern auf den Goldpreis aus, als dass sie den Wert von „Papiergeld“ mehr oder weniger beeinflussen.

Der Kauf des Edelmetalls sei für die Menschen unter anderem attraktiv, weil Gold nicht ganz so volatil sei wie etwa Aktien. „Der Goldpreis kann aber auch kräftig schwanken, langfristig und kaufkraftbereinigt betrachtet ist Gold weniger volatil“, erklärt Ott.

Gestiegen sei der Goldpreis durch das frische Geld der Notenbanken. „Das geht Hand in Hand“, sagt Ott. Es werde mehr Geld in Umlauf gebracht. Fließt es nicht in den Konsum, wirkt es inflationär auf die Vermögenswerte. Das Geld fließt in Aktien, Immobilien und natürlich in Gold und andere Edelmetalle, da der Euro und andere Währungen keine, kaum noch oder sogar negative Zinsen abwerfen. Wer Gold kauft, tut dies etwa in Form von Barren, Goldmünzen oder auch börsengehandelten Rohstofffonds (ETCs).

Gold-ETCs und -ETFs empfiehlt der Rohstoff-Analyst der Commerzbank zum Kauf. Gern werden sie als „Papiergold“ bezeichnet. In Wahrheit sind sie mit physischen Goldbeständen besichert. ETFs ermöglichen es, über ein Wertpapier an der Entwicklung des Goldpreises teilzuhaben.

Wer physisches Gold, also Barren oder Münzen, kauft, sollte immer anfallende Aufschläge und Gebühren im Blick haben, sagt Yvonne Röhling, Referentin für Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. „Der Kauf kann sonst zu einer teuren Angelegenheit werden.“

Gedanken sollte man sich auch machen, wo man seinen Goldschatz verwahrt. Stiftung Warentest hat kürzlich die Konditionen für Bankschließfächer untersucht. Die Preise schwanken zwischen 40 und stolzen 200 Euro pro Jahr. Es komme darauf an, wie viel man einlagern möchte und wie hoch der jeweilige Versicherungsschutz sei, sagt Verbraucherschützerin Röhling. Bei ihr gingen zuletzt zudem immer mal Beschwerden über starke Erhöhungen bei Preisen für Schließfächer ein.

„Sie sollten sich fragen: Kaufen Sie Gold aus Idealismus oder als Geldanlage?“

Yvonne Röhling, Verbraucherzentrale

Wer Gold kauft, sollte generell wissen: Wer sein Portfolio mit dem Edelmetall anreichert, hat keinen gesicherten Ertrag. Zinsen oder Dividenden gibt es nicht. „Sie sollten sich immer fragen: Kaufen Sie Gold aus Idealismus oder als Geldanlage?“, sagt Yvonne Röhling. Die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt empfiehlt Anlegern, nicht mehr als zehn Prozent des Gesamtvermögens in Gold zu investieren. Und wer beabsichtigt, ETCs zu kaufen, sollte sich in jedem Fall im Kleingedruckten über mögliche Gebühren – zum Beispiel für Depotführung und Verwaltungskosten – informieren.

„Gold ist ein Diversifikator“, sagt Michael Ott. Wie viel man davon kaufe, sei natürlich jedem selbst überlassen. Anlegern empfiehlt er, ihr Geld in verschiedene Vermögenswerte zu investieren, um Risiken zu minimieren. Etwa in Aktien, Anleihen, Rohstoffe. „Streuung ist wichtig. Es gibt weder bei Gold, noch bei Aktien oder dem Dollar eine Einbahnstraße“, sagt Ott. Anleger könnten natürlich auch in der Klasse der Edelmetalle diversifizieren und ihr Erspartes neben Gold etwa in Silber, Platin, Goldmininaktien oder eben ETCs investieren.

Und der Goldpreis? Wird er in den kommenden Wochen und Monaten das historische Hoch von Anfang August knacken? Analyst Michael Ott geht davon aus, dass die Realzinsen weiter sinken werden. „Damit hätte der Goldpreis dann noch weiteres Potenzial für neue Höchststände.“