Magdeburg l Dietrich Lührs, Schulleiter des Ökumenischen Domgymnasiums Magdeburg, ärgert sich. Der Grund: eine E-Mail, die er am vergangenen Freitag – wie sämtliche Schulleiter in Sachsen-Anhalt – erhalten hat. In dem Schreiben, das der Volksstimme vorliegt, werden Schulen aufgefordert, die Lernplattform „Moodle“ möglichst über den ganzen Tag verteilt zu nutzen: „Weichen Sie auf weniger frequentierte Tageszeiten aus“, informierten die Betreiber der Lernplattform.

„Das geht gar nicht und ist eine Bankrotterklärung des Landes“, empört sich Lührs. Die E-Mail wertet er als Eingeständnis, dass Moodle noch immer nicht zuverlässig funktioniert. Schulen sollen keine großen Dateien auf die Plattform hochladen. Sie sollen sich nicht parallel mit mehreren Geräten anmelden. Und nicht zuletzt steht das Programm „BigBlueButton“ für die Videokommunikation noch nicht bereit, heißt es in dem Schreiben. „Uns wurde sozusagen mitgeteilt, dass wir die Plattform am besten nutzen, indem wir sie gar nicht nutzen.“

Tatsächlich sind in Sachsen-Anhalt am Montag größere Probleme mit Moodle ausgeblieben – das räumt auch der Schulleiter aus Magdeburg ein. Lediglich am Morgen hat es für etwa eine halbe Stunde Schwierigkeiten bei der Erreichbarkeit der Lernplattform gegeben. Diese konnten durch die Freischaltung weiterer Serverkapazitäten behoben werden, erklärt das zuständige Bildungsministerium. In anderen Teilen Deutschlands ist es hingegen zu teils massiven Störungen gekommen. Insbesondere Baden-Württemberg und Bremen waren betroffen.

Dietrich Lührs unterstreicht dennoch, dass die Politik zu spät reagiert habe: „Monate sind verstrichen, seit März waren die Probleme bekannt.“ Rückendeckung gibt es von der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW): „Dass es so lange dauert, ist seltsam bis erschreckend“, sagt Sprecher Alexander Pistorius. Es könne nicht sein, dass die Technik noch in den Kinderschuhen stecke. Dafür, dass die Behörden beim Ausbruch der Pandemie nicht sofort alle Probleme lösen konnte, zeigt die Gewerkschaft Verständnis. „Aber das ist jetzt keine Entschuldigung mehr.“

Wegen zu vieler Zugriffe waren die Server für die Lernplattform Moodle im Dezember zusammengebrochen. Seitdem hätten die Betreiber daran gearbeitet, dass sich dieser Vorfall nicht wiederholt, erklärt Stefan Thurmann, Sprecher des Bildungsministeriums. „Im Dezember hat die Plattform bei 10 Millionen Zugriffen nicht funktioniert, am Montag ist sie bei 20 Millionen Zugriffen fast reibungslos gelaufen.“ Dies sei erfreulich, da das System zuvor nicht unter Realbedingungen getestet wurde.

System nicht in die Knie zwingen

Zurück zur E-Mail, die am Domgymnasium Empörung verursacht hat: Thomas Gaube ist Schulleiter in Halle und Vorsitzender des Philologenverbands Sachsen-Anhalt. Er bewertet die E-Mail anders als sein Magdeburger Kollege: „Klar ist es nicht schön, wenn das System nicht reibungslos läuft“, sagt er. „Aber ich sehe den Hinweis der Betreiber eher als verantwortungsvoll“ – denn es sei besser, Einschränkungen hinzunehmen, als das System in die Knie zu zwingen.