Magdeburg (vs) l 50-Meter-Bahn, Rutsche, Beach-Volleyballplatz: Das Salzwedeler Freibad hat eigentlich alles, was es für einen gelungenen Ferientag braucht. Und doch herrschte zuletzt, mitten im Hochsommer, oft gähnende Leere. Graue Wolken und Temperaturen unter 20 Grad Celsius haben dem Freibad die erste Saisonhälfte vermiest. Zählte das Bad von Mai bis 17. Juli 2016 noch 12.844 Besucher, so waren es im selben Zeitraum dieses Jahres nur 9873 – ein Minus von 23 Prozent.

Salzwedel steht damit nicht allein. Landesweit verzeichnen Bäderbetreiber witterungsbedingt Einbrüche bei den Gästezahlen. Ins Carl-Miller-Bad in der 100 Kilometer südlich gelegenen Landeshauptstadt Magdeburg kamen am Sonntag über den Tag verteilt ganze 150 Badegäste. An heißen Tagen sind es sonst zwischen 1200 und 2000 Wasserratten, hieß es.

Im benachbarten Schönebeck ist die Besucherzahl ebenfalls deutlich geringer als im letzten Jahr, sagt Bäderbetriebsleiterin Corinna Knabe. Suchten im Juni 2016 noch 819 Besucher Abkühlung im Wasser, so waren es im Juni dieses Jahres noch 437. „Das liegt ganz klar am überwiegend bedeckten Himmel“, sagt Knabe. Der Schönebecker gehe eben nur ins Freibad, wenn die Sonne scheint.

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Rasenmähen statt Retten

Im Harz ist das nicht anders. „Bei 30 Grad und Sonne zählen wir schon mal 300 bis 500 Besucher am Tag“, berichtet Diana Borchert vom Freibad-Förderverein im Halberstädter Ortsteil Langenstein. Der Verein hat das Bad vor Jahren übernommen, bewirtschaftet es heute mit Unterstützung von Stadtverwaltung und dem Freizeit- und Sportzentrum (FSZ) und steht damit für einen Trend. Weil die oft überschuldeten Kommunen kaum noch in der Lage sind, Freibäder zu betreiben, springen vielerorts Vereine ein. Und für die kann eine durchweg schlechte Sommersaison schnell existenziell bedrohlich werden.

Davon will im Harz bislang niemand sprechen. Schließlich sei gerade erst Saisonhalbzeit, alles könne sich noch drehen. Bis jetzt sprechen die Zahlen aber eine klare Sprache. In Langenstein wurden bislang 2500 Gäste gezählt, sonst sind es in der gesamten Saison 8000 bis 10.000. Ähnlich ist die Tendenz auch am Halberstädter See. 7620 Besucher zählte Gido Maak vom FSZ im Juli 2016. „In diesem Juli sind es bislang magere 1048.“ Dort – wie auch im Waldhofbad in Wernigerode – war in den vergangenen Tagen Ebbe angesagt.

Doch was machen eigentlich die Badangestellten, wenn die Besucher ausbleiben? „Rumsitzen muss keiner“, sagt Stefan Grahn, Schwimm-Meister in Wolmirstedt. Weil die Angestellten ohnehin alles allein machen müssten, gebe es viel zu tun: Rasenmähen etwa oder kleinere Wartungsarbeiten.

Ähnlich ist das in Gardelegen. „Unsere Mitarbeiter sind keine Baywatch-Leute“, sagt Kämmerer Maik Machalz. Die Angestellten seien mit der Pflege der Grünanlagen und technischen Aufgaben auch so ausgelastet. „Und wenn sie die Arbeit erledigt haben, gehen sie nach Hause“, sagt Machalz. Erstmals ist in Gardelegen seit diesem Jahr möglich, was andere Bäder schon länger praktizieren: die Schließung des Bades bei schlechter Witterung. Bislang habe die Stadt davon keinen Gebrauch gemacht, sagt Machalz. Unnötige Kosten könnten so aber künftig vermieden werden.

Hallenbäder boomen

Stammschwimmern dürften solche Aussichten kaum gefallen. Im Zweifel bliebe ihnen nur die Alternative eines überdachten oder zumindest kombinierten Schwimmbades. Solche Bäder scheinen allerdings schon jetzt die Profiteure des durchwachsenen Sommers zu sein: „Wir haben einen guten Zulauf, sogar mehr als im vergangenen Jahr“, sagt Marcus Schreiber, Geschäftsführer des Stendaler Altoa-Bades. Seit 1. Juni zählte die Einrichtung 17 100 Besucher und damit 1000 mehr als im Vorjahr. Generell werde das Bad in den Ferien gut angenommen, sagt Schreiber. Das durchwachsene Wetter locke zusätzlich Gäste an.

Ähnliche Erfahrung hat FSZ-Mitarbeiter Gido Maak im Halberstädter SeaLand gemacht. Dort wurden seit Mitte Mai, dem Start der Freibad-Saison, im Vergleich zum Vorjahr acht Prozent mehr Gäste gezählt – Ferienkinder, die nach drinnen wechselten sowie Harztouristen.

Trotz Hallenbad-Boom im Hochsommer: Die Hoffnung auf Besserung müssen passionierte Freischwimmer und Freibadbetreiber noch nicht aufgeben. In den kommenden Tagen sollen die Temperaturen in Sachsen-Anhalt ansteigen, am Mittwoch auf bis zu 29 Grad Celsius, nach Schauern am Donnerstag und Freitag, am Wochenende erneut auf 27 Grad Celsius. Andreas Köhler, Sprecher der Stadt Salzwedel, hofft unterdessen auf mehr Sonne für die Badegäste. „Wir tun alles, um die Badesaison für die Gäste so gut wie möglich zu gestalten“, sagt er. Nur das Wetter könne man leider nicht beeinflussen.