Magdeburg (dpa) l Medikamente auf Cannabis-Basis stoßen bei schwer kranken Menschen in Sachsen-Anhalt auf beständiges Interesse. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) prüfte in diesem Jahr bereits rund 300 Anträge, wie eine Sprecherin auf Anfrage mitteilte. Bei der AOK gingen 121 Anträge ein, bei der Barmer waren es 69. Die Nachfrage entspreche damit in etwa der des Vorjahres, hieß es von den Kassen. Von Juni bis Dezember 2017 erstellte der MDK im Auftrag der Kassen in Sachsen-Anhalt 337 Gutachten.

Nicht mehr wegzudenken

"Medizinisches Cannabis ist aus der Versorgung schwer kranker Menschen heute nicht mehr wegzudenken", sagte Barmer-Sprecher Christopher Kissmann. Das gelte vor allem in der Schmerztherapie. "Es ist aber kein Allheilmittel", betonte Kissmann. Die Anwendung bleibe immer eine Entscheidung des behandelnden Arztes. Für jeden Patienten müssten Nutzen und Risiken abgewogen und mögliche Alternativen bedacht werden.

Gesetzlich Krankenversicherte haben seit März 2017 einen Anspruch darauf, dass ihre Kasse unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten für Medikamente auf Cannabis-Basis übernimmt. Damit soll der Schmerz schwer kranker Menschen besser gelindert werden. Zuvor mussten die Patienten eine Erlaubnis beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte einholen.

Selten eingesetzt

Bei der Techniker Krankenkasse gingen seit März 2017 bundesweit rund 3600 Anträge auf Kostenerstattung ein. Zahlen für Sachsen-Anhalt würden nicht separat erhoben, hieß es. In einem gemeinsam mit der Universität Bremen erstellten "Cannabis-Report" der TK finden sich jedoch Angaben zur Häufigkeit der Verordnungen. Demnach wurden den TK-Versicherten in Sachsen-Anhalt vergleichsweise selten Cannabis-Medikamente verschrieben. Mit rund 77 Verordnungen pro 100 000 Versicherten liegt Sachsen-Anhalt deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt von 123 Verordnungen. Nur in Mecklenburg-Vorpommern bekommen Versicherte noch seltener Arzneimittel auf Cannabis-Basis.

Wie die Zahlen von AOK, Barmer und TK zeigen, haben aber bei Weitem nicht alle Anträge auf Kostenübernahme auch Erfolg. Die Genehmigungsquote liegt den Angaben zufolge zwischen 65 (TK) und 71 Prozent (Barmer). Häufig seien Anträge nicht vollständig oder unzureichend begründet, hieß es. Die Antragsteller bekommen dann die Möglichkeit nachzubessern. Manche Anträge würden aber auch abgelehnt, weil noch nicht alle anderen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft wurden, sagte AOK-Sprecher Sascha Kirmeß.

Es gibt auch Nebenwirkungen

Barmer-Sprecher Kissmann verwies darauf, dass die Cannabis-Therapie aus medizinischer Sicht noch nicht abschließend bewertet sei. Auch wenn viele Patienten auf Cannabis als Schmerzmedikament setzten, könnten wahrscheinlich nicht alle Erwartungen erfüllt werden. "Es kann starke Nebenwirkungen wie Halluzinationen, Panikattacken oder Psychosen auslösen und somit den Gesundheitszustand verschlechtern", verdeutlichte Kissmann die Risiken. Die Verordnung von Cannabis-Blüten kostet nach Angaben der Barmer rund 1800 Euro im Monat, ein Medikament auf Cannabis-Basis bis zu 3000 Euro.