Magdeburg l Die Forderung war so eindringlich wie bekannt: Nach der Rede im Landtag drängte die „Volksinitiative für mehr Lehrer“ am Donnerstag auch im Petitionsausschuss auf 1000 Lehrer extra für die Schulen. „Wir brauchen sie jetzt“, sagte Sprecherin und GEW-Vorsitzende Eva Gerth. Ohne zusätzliche Stellen drohe das System zu kippen.

Die SPD will lieber heute als morgen 250 Lehrer zusätzlich einstellen. Das scheint geboten. Der Totalausfall steigt. Laut Bildungsministerium fielen im vergangenen Schuljahr allein an Gymnasien 4,3 Prozent der Stunden ersatzlos weg, an Förderschulen waren es 5,1 Prozent – ein Negativrekord. Geld scheint nicht das Problem. Zusätzliche Steuereinnahmen eröffnen Spielräume. Finanzminister André Schröder (CDU) rechnet mit Mehreinnahmen von 236 Millionen Euro. Rein rechnerisch könnten damit 5000 Gymnasiallehrer ein Jahr lang bezahlt werden. Extra-Lehrer müssten in einem Nachtragshaushalt verankert werden. Die Linke - Mitinitiator der Volksinitiative - will einen Nachtragshaushalt für 1000 Lehrer nächste Woche im Landtag beantragen.

Zu wenige Absolventen

Wo aber sollen zusätzliche Lehrer noch herkommen? Die Ausgangslage: Das Bildungsministerium stellt in diesem Jahr mit knapp 700 so viele Pädagogen ein wie nie. Im nächsten Jahr sollen es 650 sein. „Dabei wird die Lage auf dem Arbeitsmarkt nicht besser“, sagt Bildungsminister Marco Tullner (CDU). Wegen falscher Planungen in den vergangenen Jahren können die Unis den Bedarf nicht einmal zur Hälfte decken. Die Folge: Von ausgeschriebenen 370 Stellen blieben bei der letzten Ausschreibungsrunde 100 unbesetzt.

Konkurrenz rüstet auf

Tullner rechnet kurzfristig mit einer weiteren Zuspitzung der Bewerberlage. Das liegt auch daran, dass andere Bundesländer im Wettkampf um ausgebildete Lehrer aufgerüstet haben: Berlin etwa stellt junge Grundschullehrer seit Juli mit höchster Erfahrungsstufe ein. Das entspricht einem Bruttolohn von mehr als 5000 Euro. Sachsen-Anhalt bleibt mit 3300 Euro weit zurück. Sachsens neuer Kultusminister Frank Haubitz will Lehrer künftig auch im Freistaat verbeamten, Thüringen hat den Schritt schon zum neuen Schuljahr vollzogen. In Mecklenburg-Vorpommern schließlich locken einzelne Kommunen Absolventen mit Grundstücken. „All das macht uns die Arbeit natürlich nicht leichter“, sagt Tullner. Die Bewerberzahlen von außen könnten spürbar sinken. Von 463 eingestellten Lehrern in diesem Jahr bis Oktober kam etwa jeder Vierte aus einem anderen Bundesland.

Der Minister will 2018 mit einer Werbe-Kampagne gegensteuern. Gespräche gibt es auch mit den Kommunen. Um mehr Lehrer aufs Land zu bekommen, sollen sie Pakete etwa mit garantierten Kita-Plätzen oder Wohnungsangeboten schnüren. Daneben setzt Tullner auf die Qualifizierung von Quereinsteigern wie Musikpädagogen. „Ihre Zahl wird deutlich wachsen“, sagte er. Der Haken: Die Unis müssen die Einsteiger mit viel Aufwand weiterbilden. Strukturen dafür fehlen bislang weitgehend.

Die GEW fordert derweil noch flexiblere Stellenausschreibungen. Noch immer erhielten ausgebildete Lehrer Absagen auf Bewerbungen. Das könne man sich nicht leisten, sagte Eva Gerth. "Wir müssen jeden Lehrer halten." Die SPD will fortlaufende Ausschreibungen während des ganzen Jahres. Bisher finden diese zu festen Terminen statt. Die Schulen müssten dabei stärker beteiligt werden als bisher, sagte ein Sprecher.