Magdeburg l Der Bericht einer Expertengruppe zum Lehrerbedarf in Sachsen-Anhalt sollte Planungssicherheit schaffen. Kaum verfasst, zeichnet sich allerdings ein Streit über die Lehrerausbildung an den Unis ab. Das geht aus Stellungnahmen hervor, die der Volksstimme vorliegen. Bis 2031 müssen laut Bericht jährlich 733 Lehrer eingestellt werden, um ausscheidende Kollegen zu ersetzen.

Bildungsministerium warnt

Wie viele Erstsemesterplätze dafür an den Unis geschaffen werden müssen, ist einer der strittigsten Punkte. Zuletzt gab es rund 750 Studienplätze. Künftig sollen es zwischen 1000 und 1400 sein. Wie hoch die Zahl sein muss, hängt für die Experten maßgeblich von der „Studienerfolgsquote“ ab. Derzeit schaffen gut 60 Prozent ihr Studium. Vorausgesetzt alle bleiben im Land, wären laut Experten gut 1200 Plätze nötig. Das SPD-geführte und für die Lehrerausbildung zuständige Wissenschaftsministerium geht allerdings von 75 Prozent Erfolgsquote aus und beruft sich auf Pläne der Uni Halle. Mit dem Wert sinkt die Zahl der nötigen Plätze – auf nur noch 977. Das CDU-geführte und für die Unterrichtsversorgung verantwortliche Bildungsministerium warnt: Für die „Quote sind keine Belege vorhanden. Das Risiko ist immens.“

Davon, welche Lesart die Oberhand gewinnt, dürfte auch abhängen, wie viele Lehrer die Uni Magdeburg künftig ausbilden darf. Die Uni will zum Herbst neue Fächerkombinatonen anbieten, etwa Deutsch/Sozialkunde für Sekundarschulen und Gymnasien. Bisher kann man die Fächer jeweils nur in Kombination mit Wirtschaft und Technik studieren.

Schülerzahl höher als Prognose

Umstritten sind die Ergebnisse des Berichts auch in anderen Punkten. Der Lehrerhauptpersonalrat etwa hält den Einstellungsbedarf von 733 Lehrern pro Jahr zu niedrig angesetzt, unter anderem weil die tatsächliche Schülerzahl höher liegt als die prognostizierte. Nötig seien mindestens 70 Einstellungen mehr pro Jahr . Das Zentrum für Lehrerbildung an der Uni Halle hält es angesichts einer begrenzten Zahl von Abiturienten für unrealistisch, die Zahl der Erstsemester auf mehr als 800 zu steigern.

Offiziell vorgestellt werden soll der Bericht der Experten am kommenden Dienstag im Landtag.