Magdeburg l Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hat am Mittwoch Umweltministerin Dalbert (Bündnis 90/die Grünen) angewiesen, einen für das Seilbahnprojekt in Schierke wichtigen Waldflächentausch mit Wernigerode vorzunehmen. Es ist äußerst selten, dass ein Regierungschef die Befehlsorder anwendet. Dalbert ist empört und sprach von einer „Harz-Mafia“.

Der Streit um Skihang, Seilbahn und Waldtausch in Schierke schwelt seit Monaten. In dieser Woche hatte die CDU ihren Druck erhöht und die Staatskanzlei zum Handeln aufgefordert. Wernigerode drohte mit Klage.  Die SPD sprach von einer „schrägen Sache“. Am Mittwoch nun zog Regierungschef Reiner Haseloff (CDU) die Reißleine. Die Staatskanzlei teilte mit: Der Ministerpräsident hat Umweltministerin Dalbert angewiesen, den Flächentausch bis Ende Januar vozunehmen.

Waldtausch im September gestoppt

Grund der Empörung: Bereits 2014 hatte die Regierung beschlossen, 146 Hektar Landeswald am Kleinen Winterberg bei Schierke an die Stadt Wernigerode zu geben, damit sie dort ein Tourismusgebiet entwickeln kann. Im Gegenzug bekommt das Land Stadtwald. Auch der Finanzauschuss des Landtag stimmte zu. Daraufhin begann ein aufwändiges Verfahren. Am 12. September 2017 sollten die Papiere in Wernigerode unterzeichnet werden. Doch wenige Minuten vor der Unterschrift stoppte Dalbert den Akt. Ende des Jahres legte die Ministerin schriftlich ihre Gründe dar. Allen voran: Sie habe erst an jenem Tag von dem Landtauschverfahren Kenntnis erlangt.

Bau der Feuerstein-Arena in Schierke

Wernigerode/Schierke (jh) l An der Feuerstein-Arena in Schierke wurde von der Grundsteinlegung im Mai 2016 bis zur Eröffnung im Dezember 2017 gearbeitet. Der Bau des Eisstadions hat rund 8,9 Millionen Euro gekostet.

  • Die Feuerstein-Arena im Wernigeröder Ortsteil Schierke ist allein aufgrund der geschwungenen Dachkonstruktion ein Hingucker geworden. Morgen beginnt hier die neue Eislauf-Ära. Foto: Frank Drechsler

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  • Grundsteinlegung für die Schierker Feuerstein-Arena: Wernigerodes Oberbürgermeister Peter Gaffert (links) und Walter Möller, Chef der Schierker Feuerstein GmbH, unterschreiben den Sponsoren-Vertrag. Foto: Ivonne Sielaff

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  • Bei der Grundsteinlegung für die Schierker Feuerstein-Arena im Mai 2016 versenkt Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Thomas Webel eine Zeitkapsel. Foto: Ivonne Sielaff

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  • Die Grundsteinlegung für die Feuerstein-Arena in Schierke erfolgt Mitte Mai 2016. Foto: Ivonne Sielaff

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  • Wegen des Wintereinbruchs in Schierke müssen die Bauarbeiten an der Feuerstein-Arena im Januar 2017 unterbrochen werden. Foto: Ivonne Sielaff

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  • Im Mai 2017, ein Jahr nach der Grundsteinlegung, liegen die Bauarbeiten an der Schierker Feuerstein-Arena voll im Zeitplan. Allerdings wird die Finanzierung des Eisstadions kritisiert. Foto: Ivonne Sielaff

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  • Die Baustelle der Schierker Feuerstein-Arenaim Juli 2017, kurz bevor die Einzelteile für die Dachkonstruktion geliefert werden.Zu dieser Zeit liegt die Förderung vorerst auf Eis. Foto: Matthias Bein

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  • Mitte August 2017 beginnen die Bauarbeiter, die auffällige Dachkonstruktion für die Feuerstein-Arena in Schierke zu montieren. Foto: Winfried Borchert/Brockenballon

    Mitte August 2017 beginnen die Bauarbeiter, die auffällige Dachkonstruktion für die Feu...

  • Die Feuerstein-Arena in Schierke nimmt Gestalt an. Die Dachkonstruktion wird Mitte August 2017 montiert.  Foto: Winfried Borchert/Brockenballon

    Die Feuerstein-Arena in Schierke nimmt Gestalt an. Die Dachkonstruktion wird Mitte August 2017 mo...

  • Einen Großteil der Bauarbeiten an der Schierker Feuerstein-Arena widmen die Arbeiter der aufwendigen Dachkonstruktion. Foto: Ivonne Sielaff

    Einen Großteil der Bauarbeiten an der Schierker Feuerstein-Arena widmen die Arbeiter der auf...

  • Bauarbeiter Patrick Supanz (von links) stößt beim Richtfest in der Schierker Feuerstein-Arena mit Wernigerodes Stadtratspräsident Uwe-Friedrich Albrecht (CDU), Walter Möller von Schierker Feuerstein, Architekt Lars Krückeberg und Wernigerodes Oberbürgermeister Peter Gaffert an. Foto: Ivonne Sielaff

    Bauarbeiter Patrick Supanz (von links) stößt beim Richtfest in der Schierker Feuerstein...

  • Die Fortschritte am Schierker Eisstadion, der Feuerstein-Arena, können via Webcam auch im Internet verfolgt werden. Screenshot: Julia Bruns

    Die Fortschritte am Schierker Eisstadion, der Feuerstein-Arena, können via Webcam auch im In...

  • Im September 2017 gehen die Bauarbeiten an der Schierker Feuerstein-Arena in die Endphase. Am 15. Dezember 2017 soll die Arena eingeweiht werden. Foto: Katrin Schröder

    Im September 2017 gehen die Bauarbeiten an der Schierker Feuerstein-Arena in die Endphase. Am 15....

  • Nachdem der Schierker Feuerstein-Arena Mitte September 2017 das eigentliche Dach aufgesetzt wird, ist sie auch von weit oben gesehen ein Blickfang des Brockenortes. Foto: Matthias Bein

    Nachdem der Schierker Feuerstein-Arena Mitte September 2017 das eigentliche Dach aufgesetzt wird,...

  • Die Membran der Schierker Feuerstein-Arena erscheint von unten braun. Mitte Oktober 2017 ist kurz vor der Fertigstellung auch öfter sonntags Betrieb auf der Baustelle. Foto: Julia Bruns

    Die Membran der Schierker Feuerstein-Arena erscheint von unten braun. Mitte Oktober 2017 ist kurz...

  • Für die feierliche Eröffnung der Feuerstein-Arena in Schierke am 15. Dezember scheint Anfang Dezember 2017 alles bereit. Seit der ersten Woche des Monats wird in dem Stadion Eis produziert. Foto: Ivonne Sielaff

    Für die feierliche Eröffnung der Feuerstein-Arena in Schierke am 15. Dezember scheint A...

In den letzten Tagen mehrten sich Hinweise, die nahelegen, dass Dalbert entweder die Öffentlichkeit belügt oder aber solch einen wichtigen Vorgang komplett verdrängt hat. Gestern kamen neue Indizien, die sie belasten. Wernigerodes Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) sagte der Volksstimme: „Ich habe ihr in einem Gespräch am 24. Juni 2016 in ihrem Ministerium definitiv gesagt, dass das Waldtauschverfahren läuft.“ Das war mehr als ein Jahr vor dem Unterschriftstermin. Auch bei einigen Grünen steigt das Unbehagen. Bereits am 8. September 2014 nämlich hatte Gaffert auf einer Fraktionsklausur der Grünen in Wernigerode das Vorhaben detailliert erläutert. Ein Teilnehmer erinnert sich: „Selbstverständlich hat er gesagt, dass die Stadt dafür Landesflächen braucht. Er hat laut und deutlich gesprochen und Frau Dalbert saß genau neben ihm.“

Dalbert blieb auf Nachfrage bei ihrer Version. Der Flächentausch wird, wenn auch widerwillig und mit Wut im Bauch, umgesetzt. „Die Anweisung des Ministerpräsidenten werde ich umsetzen. Dennoch finde ich den Vorgang empörend, sagte sie. Dalbert mußmaßte, da habe sich wohl „die Harz-Mafia“ durchgesetzt.

Hier geht es zum Kommentar von Jens Schmidt zur Rolle von Claudia Dalbert beim Flächentausch in Schierke.