Magdeburg (dpa) l Eine Sonntagsfahrt mit dem Motorrad, ein Ausflug auf die Kegelbahn oder ins Tanzlokal – all dies können die Senioren im Marthahaus Halle nun genießen, ohne einen Schritt vor die Tür zu setzen. Möglich machen das therapeutische Videospiele für ältere Menschen. "Das Konzept hat uns gleich eingeleuchtet, weil es die Kommunikation und Beziehung zwischen Pflegenden und Pflegebedürftigen erfordert und fördert", sagt Norbert Kreis, Geschäftsführer der Stiftung Marthahaus Halle zum Start des Angebots.

"Die jungen Pflegenden sind in der Welt der Spielekonsole aufgewachsen und gehen selbstverständlich und spielerisch damit um", ergänzt er. Die älteren Menschen wiederum bekämen einen "einfachen und begleiteten Zugang zu den Möglichkeiten der digitalen Welt, die ihnen ansonsten vollständig verschlossen bleiben würde."

Das Projekt geht auf eine Initiative der Barmer Krankenkasse zurück. Insgesamt sollen in Sachsen-Anhalt fünf Einrichtungen mit einer sogenannten "MemoreBox" ausgerüstet werden. Auch in der Tagespflege des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Köthen wurde ein ähnliches Konzept getestet: Mit dem sogenannten "Bike Labyrinth" können Pflegebedürftige virtuell fast die ganze Welt bereisen. "Das Thema Internet gewinnt bei ambulanten und teilstationären Wohnformen an Bedeutung", sagt DRK-Landesgeschäftsführer Carlhans Uhle.

Allerdings mit einer Einschränkung: "In unseren Augen ist die Internetnutzung kein relevantes Entscheidungskriterium bei der Wahl des stationären Seniorenheims", sagt Uhle. Das Vertrauen in den Träger der Einrichtung sowie die Qualität der Erfüllung der Grundbedürfnisse stünden im Vordergrund. Die Bewohner von Altenpflegeheimen hätten oft einen sehr hohen Pflegegrad. "Die Nutzung von Smartphone, Tablet und Co. spielt daher oftmals keine Rolle." Das DRK zählt in Sachsen-Anhalt 40 Altenpflegeheime. Dazu kommen 42 Sozialstationen (ambulante Pflege), 20 Tagespflegeeinrichtungen, 18 Einrichtungen des betreuten Wohnens und 6 Senioren-WGs.

"Das Thema Digitalisierung in all seinen Facetten beschäftigt selbstverständlich auch die Arbeiterwohlfahrt", teilte Pressesprecherin Cathleen Paech mit. Dabei sei die Beratung von ratsuchenden Bürgern eine ganz wesentliche Aufgabe der AWO, die in Sachsen-Anhalt 30 stationäre Pflegeeinrichtungen betreibt. Die Online Pflege- und Seniorenberatung biete verschiedene Möglichkeiten der Kommunikation – darunter auch eine Chat-Beratung.

Auch der Arbeiter-Samariter-Bund bietet in Sachsen-Anhalt betreutes Wohnen, Alten- und Pflegeheime sowie Senioren-Wohngemeinschaften an. "Viele ASB-Gliederungen bieten Kurse an, bei denen der Umgang mit dem Computer oder dem Internet gelernt und eingeübt werden kann", informiert die Organisation. Computer und Internet böten auch für ältere Menschen viele Möglichkeiten, den Alltag zu erleichtern. Das Internet eröffne Menschen, die weniger mobil seien, neue Wege der Teilhabe.

Offen steht dieser Weg aber noch längst nicht allen Senioren. Nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen gehören Seniorenheime, die Internetanschlüsse bieten, noch zu einer Minderheit in Deutschland. Geschätzt erst ein Drittel der Seniorenheime verfüge über Internet. Der Ausbau stehe ziemlich am Anfang, sagt Nicola Röhricht, Referentin für Digitalisierung und Bildung der Arbeitsgemeinschaft.

Das bestätigte auch eine Umfrage des Onlineportal "pflegemarkt.com" unter 575 Heimleitern und Pflegedienstleitungen von Pflegeheimen. Nur 37 Prozent der befragten Pflegeheime bieten danach ihren Bewohnern die Möglichkeit des kabellosen Zugangs zum Internet an. Über 80 Prozent der Einrichtungen, in denen WLAN grundsätzlich verfügbar ist, berechnen dies extra. Der Anteil der Häuser, die ein kostenfreies Netz zur Verfügung stellen, war mit sechs Prozent noch sehr gering.