Salzwedel/Magdeburg l Silvesterfeuerwerk hat wahrscheinlich den Brand in zwei Häusern in der historischen Altstadt von Salzwedel ausgelöst. Ein Antiquitätengeschäft ist in der Neujahrsnacht komplett ausgebrannt. Die Flammen griffen zudem auf ein benachbartes Wohnhaus über, an dem auch erheblicher Schaden entstand. Nach Einschätzung der Polizei könnten Feuerwerkskörper in das Trödel-Geschäft oder Wohnhaus gelangt sein und den Brand verursacht haben. Verletzt wurde niemand. Zuvor hatte es in Salzwedel eine Debatte gegeben, das Feuerwerk nahe den alten Fachwerkhäusern zu verbieten – am Ende hatte man sich aber für die Böllerei entschieden.

Salzwedels Bürgermeisterin Sabine Blümel will nun die Ermittlungen der Kriminalpolizei abwarten. Sollte sich der Verdacht bestätigen, werde über ein mögliches Böllerverbot gesprochen, so das Stadtoberhaupt. Einen Schritt weiter geht bereits die Salzwedeler Linksfraktion. Deren Fraktionsvorsitzende Ute Brunsch wird nun einen Antrag auf ein Verbot für das Abbrennen von Feuerwerk in Salzwedels Stadtzentrum einreichen. „Das Abbrennen von Feuerwerkskörpern stellt in Salzwedel mit seiner dichten, historisch wertvollen Fachwerkbebauung eine enorme Brandgefahr und damit auch eine Gefahr für Leib und Leben der Bürger dar“, wird Linke-Stadtrat Marco Heide in der Begründung deutlich. Er hatte sich vor Ort ein Bild von den Löscharbeiten gemacht. Es soll zudem geprüft werden, ob ein Böllerverbot auch außerhalb der Stadtmauern, inklusive der Ortsteile, notwendig ist, so die Linksfraktion.

Bürgermeister sieht Probleme bei Umsertung

Andreas Brohm (parteilos), Bürgermeister von Tangerhütte (Landkreis Stendal) sieht bei einem Verbot von Böllern und Raketen in den Innenstädten Probleme. Die Kommunen müssten dieses Verbot schließlich auch kontrollieren und Verstöße ahnden. „Die Frage ist, wie sich so ein Verbot auch praktisch durchsetzen ließe“, sagte er der Volksstimme. Er habe da Zweifel. Ohnehin sei es besser, an die Vernunft der Menschen zu appellieren. So könnte man zum Beispiel statt individueller Böllerei ein Feuerwerk durch die Stadt organisieren, wenn jeder Einwohner ein oder zwei Euro dafür gibt.

Eine Idee, die auch auf Landesebene Befürworter hat. „Private Feuerwerke gefährden Menschen, Tiere und auch Sachwerte. Kommunen sollten über entsprechende Verbote entscheiden dürfen und diese Möglichkeit nutzen können, um Schaden für Menschen, Tier, Umwelt und auch Sachwerte abwenden zu können“, so Grünen-Landeschef Sebastian Striegel. „Zentrale Feuerwerke sind eine gute Alternative zur privaten Böllerei. Das Land Sachsen-Anhalt sollte im Bundesrat die Initiative des Landes Berlin unterstützen, die Kommunen die Möglichkeit gibt, private Feuerwerke zu verbieten.“

Berlin möchte es den Behörden mit seinem Vorschlag ermöglichen, in dicht besiedelten Gebieten und zu bestimmten Zeiten einschließlich Silvester und Neujahr auch Leuchtraketen zu verbieten. Zur Begründung wird auf die Gefahr verwiesen, die vom so genannten Verbundfeuerwerk ausgeht. Da dieses im Batterieverbund abgeschossen wird, sei der erforderliche Sicherheitsabstand nicht mehr einzuhalten. Bislang gibt es innerhalb der Koalition in Sachsen-Anhalt aber keine gemeinsame Linie für den Berliner Vorschlag.

Verboten war Feuerwerk bereits in den Innenstädten von Quedlinburg und Wernigerode, ebenso in Stolberg (Harz), in Tangermünde und in Havelberg (beides Landkreis Stendal). Im gesamten Nationalpark Harz war ebenfalls die Knallerei untersagt. Möglich wurden diese Verbote durch die Verordnung zum Sprengstoffgesetz. So ist das Abbrennen von Pyrotechnik in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen sowie besonders brandempfindlichen Gebäuden verboten - wie es die wertvollen Fachwerkhäuser etwa von Wernigerode sind. Der Vorschlag aus Berlin geht aber weit über die Möglichkeiten bestehender Verbote hinaus.