Halle (dpa) l Mit den Lehrern seines Kindes beim Elternabend sprechen, einen Behördengang erledigen oder die Diagnose beim Arzt verstehen – für viele Menschen ist das selbstverständlich. Migranten und Geflüchtete stehen im Alltag aber immer wieder vor sprachlichen Hürden. Um den Menschen in solchen Situationen zu helfen, hat das Landesnetzwerk Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt (Lamsa) die "SiSA-Sprachmittlung" ins Leben gerufen. Über eine Telefon-Hotline werden kostenlos ehrenamtliche Laien-Dolmetscher organisiert. Mehr als 3000 Vermittlungen hat es seit Ende 2015 in Sachsen-Anhalt bereits gegeben.

Von Halle aus können drei Mitarbeiter dafür auf eine Datenbank aus fast 400 Personen und 30 verschiedenen Sprachen zurückgreifen. Es ist dann nicht nur möglich, mit den Dolmetschern am Telefon zu sprechen. Viele der Ehrenamtlichen haben sich auch bereiterklärt, die Hilfesuchenden vor Ort zu begleiten. "Meistens sind das Termine in Schulen, Kitas oder beim Arzt", sagt Annik Trauzettel, die Projektleiterin der "SiSA-Sprachmittlung". Das Dolmetschen über das Telefon werde dagegen lieber bei Terminen in Beratungsstellen und bei Behörden, aber auch beim Arzt genutzt. Rund 70 Prozent der Anfragen kommen nicht von den Migranten und Geflüchteten selbst, sondern von den Einrichtungen.

1200 Gespräche im Jahr 2016

Entstanden ist die "SiSA-Sprachmittlung" im November 2015 unter der Förderung des Landes und der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands. "Es gab damals durch die Zunahme von Geflüchteten einen erhöhten Bedarf an Dolmetschern", sagt Trauzettel. Dieser sei zwar etwas zurückgegangen, aber noch immer da, ergänzt die Projektleiterin. Laut der "SiSA-Sprachmittlung" wurden 2016 rund 1200 Telefongespräche vermittelt, 2017 waren es etwa 650. Im ersten Halbjahr 2018 wurden rund 400 Telefonate mit Dolmetschern organisiert. Gestiegen sind dagegen die Vermittlungen von Begleitungen für Vor-Ort-Termine. 2017 waren es rund 640 Treffen, bis Ende 2018 werden rund 700 erwartet.

Besonders häufig angefragt werden Laien-Dolmetscher für Arabisch und Persisch. Seit einiger Zeit gibt es aber auch viele Anfragen für russische, rumänische, polnische und bulgarische Dolmetscher, dazu kommen häufig auch Italienisch, Spanisch und Französisch. "Das zeigt, dass wir nicht mehr nur als Sprachmittlungsdienst für Geflüchtete wahrgenommen werden. Wir haben uns auch zu einem Projekt für Migranten gewandelt", sagt Trauzettel.

Ein besonderer Anruf

Eine Telefon-Vermittlung ist der 31-Jährigen besonders im Gedächtnis geblieben. Im Juli bekamen die Sprachmittler einen Anruf eines Rumänen. "Als er anrief, hatte er gesundheitliche Probleme und wollte seine Krankschreibung verlängern", erzählt Trauzettel. Ein Dolmetscher vermittelte zwischen dem Mann und seiner Ärztin, die ihm riet, sich unbedingt noch einmal untersuchen zu lassen. "Er willigte zum Glück ein." Zwei Tage später rief die Ärztin bei der Sprachmittlung an. Ein Dolmetscher sollte den Mann informieren, dass er sich wegen lebensbedrohlicher Werte schnellstmöglich in Behandlung begeben müsse.

Für die Ärztekammer Sachsen-Anhalt ist der Einsatz von Laien-Dolmetschern im medizinischen Bereich sinnvoll. "Für ein gutes Arzt-Patienten-Verhältnis ist es wichtig, dass sich Arzt und Patient sprachlich verstehen", sagt Simone Heinemann-Meerz, Präsidentin der Ärztekammer Sachsen-Anhalt. Für die medizinische Versorgung ausländischer Patienten hätten die Ärzte verschiedene Angebote und Hilfen zur Verfügung. "Die Sprachmittlung des Lamsa hat sich dabei als ein wichtiger Baustein hervorgetan."

Doch der Einsatzbereich der Laien-Dolmetscher hat auch seine Grenzen. Bei Gericht dürfen die Freiwilligen schon aus rechtlichen Gründen nicht übersetzen. Dazu müsse man erst vereidigt werden, sagt Trauzettel. "Aber auch bei wichtigen Entscheidungen, zum Beispiel wenn es um Verträge oder Zustimmungen für medizinische Operationen geht, verweisen wir immer auf professionelle Dolmetscher."