Jemmeritz l Eine einmalige Naturlandschaft beginnt direkt hinter dem Haus von Frank Schulz: das Jemmeritzer Moor. Dieses steht seit 1978 unter Naturschutz und liegt zwischen den Orten Klötze und Jemmeritz im Altmarkkreis Salzwedel. Frank Schulz, bei den Bewohnern des Ortes als „Waldschulz“ bekannt, ist in dem kleinen Dorf Jemmeritz im Forsthaus am Wald aufgewachsen. Ungefähr 100 Menschen leben hier. „Als kleiner Junge habe ich oft im Jemmeritzer Moor gespielt“, sagt der 55-Jährige.

Das Naturschutzgebiet ist ein kleines, es umfasst ungefähr 20 Hektar, erzählt Schulz. Umgeben ist es vom Landschaftsschutzgebiet Zichtauer Berge und Klötzer Forst. Die Wanderwege führen um das Moor herum, berichtet Schulz. „Denn im Naturschutzgebiet möchte man, dass sich die Tiere und Pflanzen ganz natürlich entwickeln können und nicht gestört werden“, betont er. Das Jemmeritzer Moor sei ein Quellmoor und wird von der Bäke, einem kleinen Bach, durchflossen. Dort, wo die Quellen in den Bach fließen, könne man bis zu einem Meter einsinken, erklärt der Waldliebhaber.

Im Jahr 2003 wurde das Jemmeritzer Moor von der Nabu- (Naturschutzbund) Stiftung „Nationales Naturerbe“ erworben, um das einmalige Gebiet zu schützen und zu erhalten, berichtet Schulz. „Benutzt man den Wanderweg von der Wassertretstelle in Jemmeritz bis zur Wassertretstelle in Schwiesau, läuft man um das Moor herum und bekommt einen Einblick in einen ganz urwüchsigen Wald“, sagt er. Hier gäbe es noch ganz viele unterschiedliche Baumarten, wie Fichten, Rotbuchen, Weißbuchen, Kiefern und Douglasien. Auch die fleischfressende Pflanze Sonnentau gab es hier früher viel. Mittlerweile ist sie jedoch selten geworden. Verhalte sich der Wanderer leise, könne er hier auch ganz unterschiedliche Tierarten beobachten, wie die Ringelnatter oder den Feuersalamander. Und auch ich habe Glück auf unserem Weg durch den Wald. In ungefähr 60 Metern Entfernung steht ein junger Hirsch und starrt uns an. „Solch einen prächtigen angehenden Damhirsch zu sehen, ist selten“, erklärt der „Waldschulz“.

Jäger sorgt für Pflege der Tiere

Wenn er von der Arbeit kommt, geht er in den Wald und schaut dort in seiner Funktion als Jäger nach dem Rechten. Dieses Hobby übt er seit über 30 Jahren aus. Als Jäger gehe es ihm in erster Linie um die Pflege und das Schützen der Tiere und Pflanzen, sagt Schulz. „Das Töten der Tiere beinhaltet nur einen kleinen Teil der Arbeit als Jäger“, erklärt Schulz. So werde zum Beispiel krankes Wild geschossen oder Tiere, bei denen eine Seuche ausgebrochen ist.

Außerdem schaue er sich die Bäume an und gucke, welche davon krank sind. Darüber informiert er dann den ansässigen Förster. Im vergangenen Jahr mussten die Menschen dann doch in das Naturschutzgebiet eingreifen, erzählt Frank Schulz traurig. Auch das Jemmeritzer Moor hat, wie so viele Waldgebiete in Sachsen-Anhalt, mit dem Borkenkäfer zu kämpfen. „Wenn man hier aufgewachsen ist und man sieht die alten Fichten sterben, dann blutet einem das Herz“, sagt er.

Zusammen mit der Forstverwaltung, 20 Freiwillligen aus den umliegenden Ortschaften und mit Hilfe eines ansässigen Landschaftsunternehmens hat Schulz die Bäume gefällt, zerkleinert und „schubkarrenweise aus dem Wald herausgebracht“, berichtet er. Diese erste Aktion gegen den Käfer geschah in Abstimmung mit dem Nabu. Nun würden die ehrenamtlichen Helfer aber mit dem Fällen der kranken Bäume nicht mehr hinterherkommen. Daher holzt der Nabu die kranken Bäume jetzt selbst ab.

Beim Naturschutzbund aktiv

Auch beim Naturschutzbund ist Frank Schulz aktiv. Zwei Mitglieder des Nabu kamen vor ungefähr 20 Jahren auf ihn zu und fragten ihn, ob er ihre Vertretung für das Naturschutzgebiet im Jemmeritzer Moor sein möchte. „Es hatte sich herumgesprochen, dass ich dem Wald sehr verbunden bin“, sagt Schulz und lächelt. Er sei nun das Bindeglied zwischen dem Naturschutzbund und der Forstverwaltung, berichtet er. Regelmäßig würde er Nabu-Mitgliedern das Naturschutzgebiet zeigen.

Auch Kindergarten- und Hortkindern aus Kakerbeck und Gardelegen zeigt er gerne immer wieder den Wald und erklärt ihnen zum Beispiel, was das Fegen sei. Als „fegen“ wird in der Jägersprache das Ritual der Hirsche bezeichnet, bei welchem sie ihre Geweihe an Bäumen und Sträuchern reiben, um so die alte Basthaut loszuwerden. Dabei würden sie auch Duftnoten an unterschiedlichen Stellen des Holzes setzen und so ihr Revier markieren. Dieses Ritual der Tiere könne manchmal zu viel für die jungen Bäume sein. Dann würden sie eingehen, erklärt der „Waldschulz“.

„Wenn die Kinder dann das nächste Mal mit ihren Eltern und Großeltern im Wald sind, erkennen sie sofort die Stellen, an denen das Reh gefegt hat“, freut sich Frank Schulz. Die Jungen und Mädchen hätten oft auch überhaupt keine Scheu vor ihm. „Die nehmen mir gleich das Fernrohr ab“, sagt er und lacht. Seine Frau Martina sei Erzieherin, so sei der Kontakt zu den Kindergärten entstanden.

Wolf nicht ansässig

Neben Dam- und Rotwild würde es auch Wildkatzen, Iltisse sowie Eidechsen im Jemmeritzer Moor geben, sagt Schulz. Auch ganz unterschiedliche Vogelarten wie den Gimpel oder den Schwarzstorch würde man hier finden. Selbst der Wolf ziehe gelegentlich durch den Forst. Das würden die Spuren und der Kot der Tiere verraten. „Ansässig ist er hier im Jemmeritzer Moor jedoch nicht“, sagt Schulz.

Neben den unterschiedlichen Tieren und dem Erholungseffekt, den der Wald zu bieten hat, gibt es in Jemmeritz einen 14 Tonnen schweren Findling, der durch die Eiszeit ins Land getragen wurde. Auch die Überreste eines kleines Schlosses, der Rosen-Villa, kann man auf einer Wanderung um Jemmeritz entdecken.