Magdeburg l Die Tat ereignet sich am 28. Oktober 2018 um 17.57 Uhr in Magdeburg. 25 bis 30 Tatverdächtige stürmen aus einem Studio für Kampfsportarten im Stadtteil Sudenburg. Aus dieser Gruppe heraus werden zwei Asylbewerber ins Visier genommen. Diese, ein Pakistani (18) und ein Afghane (28) flüchten, werden aber eingeholt. Die Angreifer hatten sich durch Pfiffe provoziert gefühlt. Sie sind teilweise vermummt und tragen Zahnschutz.

Nasenbeinbrüche und Hämatome

Gezielt werden die Asylbewerber durch Schläge und Tritte schwer verletzt. Beide erleiden Nasenbeinfrakturen und Hämatome im Gesicht. Einer von ihnen wird stationär im Krankenhaus aufgenommen und operiert.

Die Polizei ermittelt wegen Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung und fremdenfeindlicher Beleidigung.

Inzwischen ist ein Beschuldigter ermittelt. Das hat die Antwort auf eine kleine Anfrage des AfD-Landtagsabgeordneten Hagen Kohl vom 3. Mai ergeben. Der Beschuldigte ist auch Monate nach der Schlägerei auf freiem Fuß. Er ist nicht einmal zur polizeilichen Vernehmung erschienen. Die Polizeiinspektion Magdeburg teilte gestern auf Nachfrage mit, „dass durch die Kriminalpolizei das Vorliegen von Haftgründen bezüglich des ermittelten Tatverdächtigen geprüft wurde, diese jedoch verneint wurden“.

Öffentlichkeitsfahndung gestartet

Erst jetzt, fast sieben Monate nach dem Angriff auf zwei Asylbewerber, hat die Polizei eine Öffentlichkeitsfahndung mit den Fotos mutmaßlicher weiterer Täter herausgegeben.

Der Beschuldigte ist indes nach der Prügelei wieder auffällig geworden. Laut Innenministerium ist er „vor und nach der Tat“ in Erscheinung getreten. Erst am 18. April dieses Jahres rammte er auf der Flucht vor der Polizei einen Funkwagen und leistete erheblichen Widerstand.

30 Straftaten

Die Polizeiinspektion Magdeburg will sich mit Verweis auf das „laufende Emittlungsverfahren“ nicht zu Details äußern. Nach Volksstimme-Informationen ist der Beschuldigte Ricardo J. inzwischen wegen mehr als 30 Straftaten polizeibekannt. Gegen den heute 26-Jährigen ist seit 2008 unter anderem sieben Mal wegen Körperverletzung, vier Mal wegen gefährlicher Körperverletzung sowie zwei Mal wegen Raubes und Drogenverstößen ermittelt worden. Er gilt als Rauschgift-Konsument. Das Innenministerium ordnet ihn der linken Szene zu.

Der bisher schwerste Tatvorwurf war erpresserischer Menschenraub. Dafür wurde Ricardo J. 2015 zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Es ging um ein nicht bezahltes Drogengeschäft. Zum Treffpunkt erschien er damals mit drei Unbekannten. Sie zwangen das Opfer in ein Auto, fesselten es und schossen mit zwei Waffen auf dessen Kopf. Das Opfer konnte verletzt fliehen.