Magdeburg l Es sind die sogenannten Alltagsfälle des Privatlebens, die immer öfter vor Gericht ausgefochten werden. Das geht aus der aktuellen Auswertung der eigenen Rechtsschutzfälle von Advocard hervor.

Sachsen-Anhalt liegt dabei im Deutschlandvergleich mit 25,7 Fällen pro 100 Einwohner im Mittelfeld nahe Bayern und Baden-Württemberg (21,3 beziehungsweise 23,2 Fälle) sowie den gleich aufliegenden Nordrhein-Westfalen und Hamburg mit je 28,8 Fällen.

Unangefochtener Spitzenreiter ist seit Beginn der Erhebung vor fünf Jahren Berlin. Dort wurden 2017 in 31,2 Fällen die juristischen Klingen gekreuzt.

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Jerichower Land ist streitlustig

In Sachsen-Anhalt leben die friedfertigsten Menschen im Landkreis Wittenberg, gefolgt von den Einwohnern des Salzlandkreises und des Altmarkkreises Salzwedel. Am streitlustigsten weist die Statistik das Jerichower Land aus. Der Saalekreis und Halle belegen an diesem Ende die Plätze 2 und 3.

Immer wieder sind es eher die kleinen, oft kuriosen Sachen, die die Menschen auf die Palme bringen. Eine kleine Auswahl der jüngsten Zivilverfahren am Magdeburger Landgericht ist bezeichnend. Da forderte eine Lehrerin von einem 16 Jahre alten Schüler Schmerzensgeld, weil er das Drehkreuz eines Parkeingangs so stark in Bewegung gesetzt hatte, dass sie verletzt wurde.

Eine Harzer Familie klagte gegen Nachbarn, die einen glänzenden Außenschornstein an der Giebelfront ihres Hauses angebracht hatten. Die Kläger fühlten sich von dem Edelstahlschlot geblendet. Das Job-Center in der Börde wurde von einem Mann verklagt, der 9,30 Euro Fahrtkosten geltend machte. Nicht zum Prozess gekommen war es hingegen nach der Klage einer Magdeburgerin, der die Telekom 43,5 Millionen Euro in Rechnung gestellt hatte. Der Telefonanbieter hatte kurz vor Prozessauftakt die Reißleine gezogen und eidesstattlich erklärt, keine Forderungen zu haben.

Großer Anstieg der Straßenverkehr-Streit

Nach Klage-Fällen aus dem privaten Umfeld folgen Straßenverkehrs-Auseinandersetzungen auf Platz 2. In diesem Sektor gibt es zugleich den größten Anstieg. Auf den weiteren Plätzen stehen das Arbeitsumfeld, der Bereich Wohnen sowie Behörden/Finanzen.

„Die Frage, wer recht hat, wird immer häufiger gerichtlich geklärt. Zunehmend auch wegen eher geringerer Streitwerte“, sagt Advocard-Sprecher Peter Stahl. Das liege an der steigenden Anzahl von Gesetzen und der „Verrechtlichung der Gesellschaft“. Nicht nur die Zahl der Verfahren steige, auch die Dauer, bis der Streit beigelegt sei, werde immer größer.

Der Gedanke liegt nahe, dass das „Streit-Gen“ am Y-Chromosomen festgemacht ist. Denn über zwei Drittel aller Streitigkeiten werden von Männern ausgetragen (67,1 Prozent). Allerdings klagen Frauen weitaus mehr im Bereich Wohnen/Mieten.