Colbitz/Wippra l Der Tag des deutschen Bieres wird von den Bierbrauern bundesweit am 23. April begangen. Zur Erinnerung an den Tag, an dem im Jahr 1516 das deutsche Reinheitsgebot per Gesetz proklamiert wurde. Dieses Jahr wird es keine Feiern geben. Alles ist abgesagt – wegen des Coronavirus.

Bei den Bierproduzenten im Land überwiegen Frust und zum Teil Wut und Verzweiflung. „Die da oben machen uns kaputt", sagt Kerstin Engel-Gehring von der Wippraer Brauerei am Telefon. Eigentlich sollte die Saison für das Familienunternehmen ab Mitte März losgehen. Stattdessen wurden alle Angestellten der Brauerei in Kurzarbeit geschickt. „Nur unsere Familie hält hier noch die Stellung", berichtet die Südharzerin.

Auf den Tag des Bieres möchte sie gar nicht angesprochen werden. „Fragen Sie bitte nicht, wir hatten so viel geplant, unsere Braukurse waren ausgebucht", sagt sie enttäuscht. Auch alle anderen Privatbrauer, mit denen sie in Kontakt steht hätten das gleiche Problem. „Hier werden Existenzen zerstört."

Eine Meinung, der sich Petra Haase, Betriebsleiterin der Colbitzer Heide-Brauerei, anschließt. Allerdings sieht sie die Probleme vor allem bei den Gastronomen und Vereinen, die sich über Feiern zum Geburtstag des deutschen Bieres finanzieren. „Wir können immer noch verkaufen, aber anderen bricht das Geschäft vollständig weg."

Die studierte Gärungstechnikerin hat über die derzeitige Situation völlig vergessen, dass der Brauereifeiertag ansteht. „Stimmt, es ist ja der 23. April, da habe ich überhaupt nicht dran gedacht." Eigentlich sei der Tag des deutschen Bieres eine Gelegenheit, den Menschen das Lebensmittel Bier näher zu bringen, sagt Haase. Das könne man aufgrund der Absage aller Feierlichkeiten und der weitreichenden Einschränkungen für das Gastgewerbe aber vollkommen vergessen.

„Ich wünsche mir, dass wir in der zweiten Jahreshälfte wieder etwas mehr Normalität bekommen, so wie es jetzt läuft, kann es nicht weitergehen", so Haase. Die Brauerei aus dem Landkreis Börde sollte eigentlich Ende Juni der Getränkelieferant für eine Großveranstaltung in Brandenburg sein, da diese aber abgesagt wurde, entfällt dieses Engagement.

Dazu fehlt den Colbitzern, wie auch der Wippraer Brauerei, der Bierabsatz an Gastronomen und Vereine. "Das werden einige nicht überleben", da sind sich Haase und Engel-Gehring sicher.