Magdeburg (vs/dpa) l Sachsen-Anhalts Tierheime haben wegen der Corona-Krise einige ihrer Abläufe geändert – etwa bei der Tiervermittlung, den ehrenamtlichen Gassigängern oder der Annahme von Spenden. Spontane Besuche gehen kaum. Ohne vorherige Termin­absprache gehe fast gar nichts mehr, hieß es.

„Futter- und Bargeldspenden können erst nach Normalisierung der derzeitigen Lage wieder angenommen werden“, sagte Magdeburgs Stadtsprecherin Kerstin Kinszorra zur Situation im Tierheim der Stadt. Wer Geld spenden möchte, könne das per Überweisung tun. Abgabetiere würden natürlich weiterhin aufgenommen – seit Beginn der Corona-Krise sei kein Anstieg bei deren Anzahl zu verzeichnen, hieß es. Das Magdeburger Tierheim ist Kinszorra zufolge seit 19. März geschlossen und hat den Publikumsverkehr eingestellt.

So ist es auch im seit 16. März geschlossenen Tierheim der Stadt Halle. „Wir nehmen noch Tiere an. Fundtiere sowieso, da wir für diese in Halle zuständig sind“, sagte Tierheim-Inspektorin Cornelia Hofmann. „Einen Anstieg haben wir nicht verzeichnen können.“ Sachspenden würden nur per Termin und mit dem geforderten Abstand entgegengenommen. „Die Spender bekommen eine Stelle gezeigt, wo sie die Spenden ablegen können.“ Coronabedingte Sorgen gebe es in Magdeburg und Halle aktuell nicht.

Feste und Flohmärkte fallen aus

Ganz anders in der Lutherstadt Wittenberg: Dem von einem Verein getragenen Tierheim gehen durch die Absage des für den 1. Mai geplanten Tierheimfestes große Einnahmen verloren. „Erstmals in 22 Jahren haben wir das Fest und unseren Tag der offenen Tür gestrichen“, sagte der Vorstandsvorsitzende Jürgen Krause. „In den letzten Jahren sind da immer Spenden zwischen 2000 und 3000 Euro zusammengekommen.“

Ähnliche finanzielle Einbuße hat auch der Tierschutzverein Jerichower Land in Eickendorf. „Uns trifft es sehr schwer, dass wir unsere Flohmärkte nicht wie angekündigt durchführen dürfen“, berichtet die Vereinsvorsitzende Christine Strempel. Der Verein ist auf die Erlöse aus den Flohmärkten angewiesen, nutzt diese, um die Kosten für die Tiere zu decken. Futter, Leinen, Untersuchungen, Medizin und Spielzeug gibt es schließlich nicht kostenfrei. „Die Kassen sind leer. Wir hoffen, bald wieder öffnen zu können“, so Strempel.

Im kleinen Tierheim Satuelle bei Haldensleben halten sich die Auswirkungen der Corona-Krise noch in Grenzen. „Wir haben natürlich keinen Publikumsverkehr“, sagte der stellvertretende Leiter Dirk Lehmann. Es kämen jedoch weiter die altbekannten Gassigänger, um den Hunden Auslauf zu ermöglichen. Wer spenden möchte, könne das kontaktlos tun. „Wir stellen einen Wagen oder eine Schubkarre vor die Tür, dort können Futter- oder Sachspenden hineingelegt werden“, sagte Lehmann.

Futterspenden vors Tor stellen

Auch in Stendal könnten Spenden in einer Kiste ans Tor gestellt oder mit der Post geschickt werden, teilte der Altmärkische Tierschutzverein Kreis Stendal mit, der das Tierheim unterhält. Seit 16. März ist die Einrichtung mit aktuell 75 Tieren geschlossen. Einen Anstieg gab es den Angaben zufolge während der anhaltenden Corona-Pandemie nicht, doch langsam komme auch die Angst, vergessen zu werden. Die Leute hätten aktuell eigene Sorgen und dadurch könne die Unterstützung mittelfristig sinken, hieß es.

Genau vor einem Jahr ist das Tierheim Gardelegen mit neuer Leitung nach monatelanger Schließung wieder durchgestartet. Jetzt sollte dieser Anlass gefeiert werden. „Eigentlich wollten wir das mit einer Wanderung in die schöne Natur machen, aber aufgrund der Corona-Krise ist das nun leider nicht möglich“, erzählt Gisela Kürten vom Tierschutzverein Gardelegen. 180 Tiere wurden in diesem Jahr im Tierheim aufgenommen. Als Fundtiere waren es genau 34 Hunde, 84 Katzen, ein Vogel, ein Hase und ein Schafbock.

Verschiedene Tierheime berichten darüber, dass sich Menschen jetzt für Tiere interessieren, weil sie unter der Einsamkeit der Quarantäne leiden. Die Tierschützer freuen sich zwar über jede Tiervermittlung. Aber die Adoption eines Tieres sollte auch in Corona-Quarantäne wohl überlegt sein, sagt Diana Hofmann, Leiterin des Tierheimes Zerbst. „Gerade hat man zwar mehr Zeit für das Tier, dennoch sollte man auch einen Langzeitplan haben“, so Hofmann. Jetzt haben viele Menschen mehr Zeit, um sich intensiv mit dem Tier auseinanderzusetzen.

Für die Eingewöhnung in einem neuen Zuhause perfekt, weiß auch Diana Hofmann. Aber vor allem Berufstätige sollten auch an die Zeit nach der Quarantäne denken.