Dannefeld (dpa/sa) l Wer das Grundstück der Wiatowskis in Dannefeld bei Gardelegen besuchen will, wird lautstark angekündigt. Die Huskys der beiden Hundeschlittensportler tun das besser als jede Klingel. Auf dem weitläufigen Gelände leben über 20 Hunde in geräumigen Zwingern. Hündin Lacey hat ihren eigenen Bereich, den sie sich mit dem dreibeinigen Happy teilt. Während Angela Wiatowski Happy direkt aus der Türkei in das große Rudel geholt hatte, kam Lacey über eine Tierschutzorganisation aus Bulgarien. „Lacey wurde dort von einem Auto angefahren", sagt Wiatowski. „Sie wurde operiert und blieb querschnittsgelähmt." 

Das Beste daraus machen

In diesem Zustand wurde Lacey vor einigen Wochen nach Dannefeld gebracht. Zu Angela Wiatowski, die eine Ausbildung als Tierheilpraktikerin gemacht hat und die Hundefarm managet. „Ich wusste vorher nicht, dass der Hund querschnittsgelähmt ist. Als ich es erfahren habe, war der Transporter schon unterwegs. Ich hätte ihn sonst nicht genommen. Aber wenn sie schon hier ist, wollen wir das Beste draus machen."

Wenn die Mittfünfzigerin in Laceys Zwinger kommt, bellt die Hündin aufgeregt, rutscht freudig auf den gelähmten Hinterläufen von einer Seite ihres Schlafplatzes zur anderen. „Ein bisschen besser ist es schon geworden", so die Hundeexpertin. „Das eine Beinchen hat wieder etwas Kraft. Ihre Reflexe sind deutlich besser geworden, und bei Stehübungen tritt sie schon nach."

Angela Wiatowski muss sich ordentlich anstrengen, wenn sie den 20 Kilo schweren Hund hochhebt, damit er seine Blase entleeren kann. Danach geht es in den Hunde-Rollstuhl, den die Wiatowskis mit Spendengeldern kaufen konnten – ein Gestell, in dem der Hund mit den Hinterbeinen hängt und mit den Vorderbeinen läuft. „Lacey mag Rollstuhlfahren", erzählt ihr Frauchen und hievt den etwa drei Jahre alten Mischling in das Gefährt. „Damit flitzt sie richtig schnell durch die Gegend." Platz dafür ist genug auf dem 15 000 Quadratmeter großen Gelände, wo sie sich mit den anderen Hunden nach Herzenslust austoben kann.

Berührungsängste gegenüber den vierbeinigen Mitbewohnern kennt Lacey nicht. Im Gegenteil. Angela Wiatowski vermutet, dass das Tier früher ein Zuhause hatte, in dem es genug Selbstbewusstsein entwickeln konnte. Wenn die Dannefelderin Lacey von der Leine lässt, dreht das Tier seine Runden, fällt auch mal um. Dann wartet sie geduldig, bis sie mit ihrem umgekippten Gefährt wieder in die richtige Position gestellt wird, um erneut ungestüm den anderen Artgenossen hinterherzulaufen.

Training im Wasser

„Wir trainieren auch regelmäßig im Wasser", berichtet Angela Wiatowski, zieht Lacey eine Schwimmweste an und steigt mit ihr in den Teich. Dort muss Lacey paddeln, um sich über Wasser zu halten. Dabei versucht sie auch, die Hinterläufe einzusetzen. Lacey tut diese Physiotherapie gut.

Für die Hundeschlittensportler steht mit dem Winter auch wieder die Rennsaison bevor. Beide starten international. Andreas Wiatowski frönt dem Sport neben seiner Arbeit als Ingenieur bei einem großen Autohersteller in Niedersachsen, während seine Frau ihren Job als Ingenieurin im gleichen Betrieb 2005 an den Nagel gehängt hat.

„In der Saison schaffe ich es nicht mehr, mich um Lacey in diesem Umfang zu kümmern", sagt Angela Wiatowski. „Aber jetzt haben wir jemanden gefunden, bei dem sie für immer bleiben kann." Sie ziehe in diesen Tagen um.

Ginge es nach ihr, hätte man Lacey nach dem Unfall lieber gehen lassen sollen. Schließlich sei sie ein Hund mit großem Bewegungsdrang, den sie fortan nicht mehr ausleben konnte. Doch die Dannefelderin vermutet, dass Tierärzte sie als Versuchsobjekt benutzt haben, bevor sie von Tierschützern nach Deutschland geholt wurde.

Lebensfroher Hund

„Zum Glück weiß Lacey nicht, dass sie behindert ist", bemerkt Angela Wiatowski und streichelt die Hündin, die sich trotz der gelähmten Hinterläufe freut, am Leben zu sein. Und die auf dem Gelände lebensfroh ihre Runden dreht. Wie es junge Hunde eben gern tun.