Blankenburg l Armin Willingmann ist noch immer beglückt von der vorfristigen Erfüllung des Tourismus-Planes: Über acht Millionen Übernachtungen im Vorjahr freut sich der Wirtschaftsminister, so viele wie erst 2020 erwartet. In diesem Jahr dürften es weit weniger sein – der Magnet Reformationsjubiläum fehlt.

Mathias Feige von der Conslting-Firma dwif warnt allerdings davor, die Übernachtungszahlen bei der Bewertung des touristischen Erfolges überzubewerten. Sie seien nicht alles, sagt er bei der Vorstellung des Sparkassen-Tourismus-Barometers 2018.

Sachsen-Anhalt im Fokus

Er kann Erfolge für Sachsen-Anhalt vermelden, wo sie kaum einer vermutet hätte. Bei einer Bewertung der Seen in Deutschland durch Touristen sei nach dem Scharmützelsee (Brandenburg) und dem Chiemsee (Bayern) die sachsen-anhaltische Goitzsche auf den 3. Platz gekommen.

Das Land ist inzwischen auch Zielgebiet des Global Players Airbnb geworden, jenes Internetportals, das durch die Vermittlung von Ferienwohnungen groß geworden ist. Zwar spricht der Analyst noch von einem „verhaltenen Niveau“, aber vergrößere der Ferienvermieter sein Angebot Zug um Zug.

Unter den beliebtesten Städten des Anbieters, berichtet Feige, sei Halle deutschlandweit auf Platz 10 gekommen, im Osten hätte die Saalestadt gar Platz 1 erreicht, Berlin natürlich ausgenommen. Die Beliebtheit der Ferienwohnungen resultiere aus dem Wunsch der Gäste, bei der Reise eine Verbindung der Region knüpfen zu können, sagt Feige und nennt Airbnb im Deutsch der Tourismus-Profis einen „Imagegenerator“. Freilich müssten Folgen wie die Zweckentfremdung von Wohnraum unterbunden werden.

Fachpersonal fehlt

Am meisten – da sind sich Präsentatoren einig – hakt es in Sachsen-Anhalts Fremdenverkehr beim Fachpersonal und der Digitalisierung. Der mangelhafte Internet-Empfang steht ganz oben in der Kritik der Gäste im Land. Allerdings ist das in der gesamten Bundesrepublik so.

Schlimmer ist, dass den Hotels, Pensionen und Gästehäusern das Personal ausgeht. Consulting-Mann Feige berichtet, dass 2018 in der Branche ein Fünftel aller Lehrstellen nicht besetzt werden konnte. Eine Hotelkette habe bereits die Lehrlingsgehälter verdoppelt, um junge Leute für einen Job im Gastgewerbe zu gewinnen.

Beim Vorsitzenden des Landestourismusverbandes, Lars-Jörn Zimmer, heißt das, die Hoteliers müssten „attraktive Arbeitgeber“ sein und bei der „Werbung umdenken“. Wie in Ostfriesland. Dort wird schon unter den Feriengästen geworben. Motto: „Hier bleib ich“. Als Koch oder Kellner.