Seemansgrab

Wanderprediger und Sonderling: Ein Herz für das Arendseer Original Gustav Nagel

In dem ehemaligen „Garten Eden“ des Altmärkischen Wanderpredigers finden Besucher in Arendsee ein Seemannsgrab. Mit dem hat es aber seine besondere Bewandnis. Hier hat niemand seine letzte Ruhe gefunden.

Christine Meyer an der Sitzecke, de der Wanderprediger seiner Mutter gewidmet hatte. Foto: Christian Ziems

Arendsee (cz). Wer das einstige Grundstück von Gustav Nagel (1874 bis 1952), der die Fläche am Seeufer seinen Garten Eden nannte, betritt, dem fällt das Grab sofort auf: „Ich werde von Besuchern immer wieder gefragt, wer dort liegt“, erzählt „Nagelforscherin“ Christine Meyer, die wohl der größte lebende Fan des einstigen Wanderpredigers und Sonderlings ist. Und deshalb weiß sie auch, dass dort niemand seine letzte Ruhestätte fand: Das Grab ist einfach eine Besonderheit, die Nagel hinterließ. Und zwar ein Seemannsgrab. Nach seinem Tod verfiel ein Teil, wurde nach der Wende durch neue Objekte ergänzt. Doch es gibt sie noch, die Originalstücke. Und Christine Meyer, die seit Jahrzehnten das Leben des Naturapostels erforscht, weiß, wo sie stehen. Das Herz aus Beton, Bestandteil des Seemansgrabes, hat Gustav Nagel selbst erschaffen. Er selbst hatte natürlich kein hartes Herz.

Sitzgruppe ist Nagels Mutter gewidmet

Dieses Stück konnte aber der Nachwelt erhalten werden, weil es aus langlebigem Material wie Eisen besteht. Das Herz symbolisiert bekanntlich die Liebe, daneben befinden sich Kreuz (Glaube) und ein Anker (Hoffnung). Das Seemannsgrab steht also für christliche Tugenden und wurde mit einer Bepflanzung sowie einem kleinen Holzzaun ansehnlich gestaltet.

Einige Meter weiter ist ebenfalls ein Originalteil zu finden, nämlich eine Sitzecke. Die stand – abgesehen von der Holzoberfläche – bereits zu Lebzeiten Nagels dort. Hier kam er mit Gästen ins Gespräch. Und er hatte die Sitzecke seiner Mutter Johanna Elisabeth gewidmet, die im Nachbarort Gestirn zur Welt gekommen war. „Er hat sie sehr verehrt“, weiß Christine Meyer, deshalb auch die Herzform des Betontisches vor der Sitzbank.

Die Bereiche an deren Seiten sind für Blumen vorgesehen. Christine Meyer bepflanzt sie jedes Jahr . Sie hat zudem die Originalteile aufgelistet und dazu eine Schautafel auf dem Grundstück gestaltet. Wofür das Loch gedacht war, ist allerdings unklar. Geheimnisse gibt es also weiterhin ... Gäste, die sich das Areal anschauen möchten, können dies das ganze Jahr über kostenlos tun. Dies war zu Gustav-Nagels-Zeiten anders. Damals kostete der Eintritt 10 Pfennige.