Halle l Flixbus gilt als der Fernbus-Anbieter Nummer eins in Deutschland. Das Unternehmen hat seit 2013 mehr als 100 Millionen Fahrgäste befördert. Es wirbt mit einer 97-prozentigen Kundenzufriedenheit sowie einer „einfachen und intuitiven Buchungsplattform“.

Doch das „einfache“ Buchungssystem öffnet auch Betrügern Tür und Tor. Deswegen ist Flixbus jetzt zu einem Fall für Verbraucherschützer geworden. Zahlreiche Sachsen-Anhalter hätten Rechnungen des Inkasso-Dienstleiters von Flixbus erhalten, obwohl sie gar nicht mit dem Unternehmen gefahren seien, teilte die Verbraucherzentrale gestern mit. Die Forderungen seien „nicht unerheblich“, sie beinhalteten auch Mahngebühren und Rücklastschriftgebühren. Es werde sogar mit einem Schufa-Eintrag gedroht. Die Schufa gibt Informationen zur Kreditwürdigkeit Dritter.

Nach Erkenntnis der Verbraucherzentrale sind offensichtlich für die Buchungen Daten unbeteiligter Menschen  genutzt worden. Simone Meisel, Rechtsexpertin bei der Verbraucherzentrale, sagte der Volksstimme, bei der Buchung sei der Name einer realen Person, verbunden mit einer fiktiven Kontonummer, verwandt worden. Die Betroffenen hätten erst durch eine schriftliche Mahnung von den angeblichen Forderungen und dem Missbrauch ihrer Daten erfahren.

Betroffene wenden sich an Zentrale

Die „Fernbus-Masche“ sei bereits Mitte 2018 verstärkt in den Fokus der Verbraucherschützer gerückt, sagte Meisel. „Es hat sich herumgesprochen, dass man auf diesem Weg kostenlos durch Deutschland fahren kann.“ Sie spricht von „Massenbetrug“. Insgesamt hätten sich Hunderte Betroffene an die Verbraucherzentrale gewandt. In anderen Bundesländern sei es ähnlich. Die Verbraucherschützer raten jedem, der eine solche Rechnung erhält, zur Anzeige wegen Betrugsverdachts bei der Polizei. Das Inkasso-Unternehmen müsste über die Anzeigenerstattung samt Tagebuchnummer informiert werden. „Dann dürfte sich das Problem für den Betroffenen erledigt haben“, erklärte Meisel. Die Verbraucherzentrale hat Flixbus aufgefordert, die Sicherungsmaßnahmen im Buchungssystem zu verbessern.

Ein Sprecher von Flixbus sagte der Volksstimme, zu konkreten Zahlen könne er zunächst nichts sagen. „Generell aber gilt: Hinweise auf Datenmissbrauch nehmen wir immer sehr ernst und prüfen sie gründlich. Personen, die unberechtigte Mahnungen erhalten, sollten sich unbedingt direkt an uns sowie unseren Zahlungsdienstleister RatePAY wenden.“ In diesen Fällen werde die Forderung eingestellt und die RatePAY GmbH trage den Zahlungsausfall.

Flixbus bietet nach eigenen Angaben 300.000 tägliche Busverbindungen in rund 2000 Orte in 27 Ländern an.