Magdeburg l Fünf Ortsumfahrungen will Sachsen-Anhalt 2019 freigeben. Dafür wurden 52 Millionen Euro investiert. Ganz oben auf der Liste feierlicher Eröffnungen steht die Umfahrung Halberstadt-Harsleben. Die sieben Kilometer lange Straße entlastet an Ende 2019 die 40.000-Einwohner-Kreisstadt. Sie ist zudem für Harz-Touristen interessant.

Direkt zur „neuen“ Autobahn

Von Magdeburg kommend zweigen Harzreisende von der B 81 (hinter Gröningen) auf die neue Strecke ab und gelangen direkt zur „neuen“ Nordharz-Autobahn 36. Die vierspurige Schnellstraße gibt es schon seit weit über zehn Jahren, sie hieß bislang jedoch B 6 und wird mit dem Jahreswechsel zur A 36 hochgestuft. Die Wirtschaft verspricht sich davon bessere Vermarktungschancen. Die Piste führt vom Kreuz Bernburg (A 14) nach Wernigerode und zweigt bei Goslar nach Braunschweig ab (bislang A 395).

Entlastet werden auch Schernikau (bei Stendal) und Merseburg, wo Sachsen-Anhalt neue Landesstraßen baut. Und der Bund gibt die Umfahrungen Wittenberg-Eutzsch (B 2) sowie Zeitz-Theißen (B 91) frei.

Noch ein weiteres Jahr warten müssen die Oebisfelder. Erst 2020 ist dort die neue B 188 komplett. Sie ist ein wichtiger Zubringer für VW-Pendler nach Wolfsburg. Ein weiteres Jahr später folgt die Umfahrung Wedringen: Das neue Stück B 71 bindet Haldensleben an die künftige Autobahn A 14 an.

Deutlich mehr Zeit und Geld kostet die Vollendung der dreispurigen Bundesstraße 6. Die Lücke zwischen Köthen und der A 9 zu schließen, ist deutlich aufwendiger als geplant. Grund: Kröten. Erst nach Baustart wurde bemerkt, dass die Tiere dort ihre Wanderwege haben und die Piste kreuzen. Also müssen etwa zehn Kilometer Straße um gut anderthalb Meter angehoben werden – um mehr als 200 ausreichend große Durchlässe für die Lurche einzubauen. Dafür war ein ergänzendes Planverfahren nötig. Die Kosten klettern um zehn Millionen Euro auf nunmehr 75 Millionen Euro. Die Straße soll Ende 2021 fertig sein. Sie verbindet dann die A 14 mit der A 9 und bietet zudem mal eine schnellere Verbindung von Magdeburg nach Dessau.

Der Weiterbau der A 14 gestaltet sich in Sachsen-Anhalt weiterhin zäh. Befahrbar ist erst das kurze Fünf-Kilometer-Stück zwischen Wolmirstedt und Colbitz. 23 Kilometer werden gerade gebaut. Die Etappe bis Tangerhütte wird Ende 2020 fertig, ein Jahr darauf folgt der Abschnitt bis Lüderitz. Nun konzentrieren sich die Planer auf das Stendaler Stück. Denn: Gibt es dafür grünes Licht, gehen ab Sommer weitere 41 Kilometer Autobahn von Lüderitz über Stendal bis Osterburg in Bau.

Konflikt mit Bauern

Das Stendaler Planverfahren sollte ursprünglich Anfang 2018 beendet sein. Doch es gibt Streit mit Landwirten. Die Piste durchschneidet und zerstückelt etliche Äcker. Außerdem müssten Bauern Flächen für neue Naturschutzareale hergeben, die beim Straßenbau anzulegen sind. Etliche fürchten um ihre Existenz. Das Landwirtschaftsamt soll nun geeignete öffentliche Flächen finden, um den Konflikt zu lindern. Außerdem haben die Planer einen Gutachter beauftragt: Er soll herausfinden, ob den Bauern tatsächlich der wirtschaftliche Boden entzogen wird. „Das kostet Zeit, reduziert aber das Klagerisiko“, sagt Jörg Przesang vom Verkehrsministerium.

Zeitraubend waren zudem die Gutachten zum Wasserschutz. Doch die EU-Richtlinie schreibt vor, dass sich der Zustand der Gewässer nicht verschlechtern darf. Das reicht bis zum Reifenabrieb, der mit Regen ins Umland gespült werden könnte.

Rund drei Jahre Bauzeit

Dass Gerichte im Fall einer Klage da sehr pingelig sind, zeigte das jüngste Urteil zur A  20 in Schleswig-Holstein: Das Bundesverwaltungsgericht stoppte den Weiterbau – da die „EU-Wasserrahmenrichtlinie“ nicht ausreichend umgesetzt wurde.

Nun will Sachsen-Anhalt den Planbeschluss für den Stendaler Abschnitt bis Juni vorlegen. Klagt niemand, ist die Piste genehmigt. Dann läuft die Vorbereitung: Archäologen graben, Behörden schreiben Aufträge aus, Baufirmen verlegen Leitungen. So richtig los ginge es 2020. Wegen einiger Bahnbrücken – eine davon über die ICE-Strecke – werden drei Jahre Bauzeit veranschlagt.

Im ersten Halbjahr vorgelegt werden sollen auch die endgültigen Pläne für die Elbe-Querung. Wegen der Vogelschutzgebiete gilt der Abschnitt als besonders heikel.