Magdeburg l Die gute Nachricht vorweg: Das Geldvermögen der privaten Haushalte ist in den letzten 30 Jahren im Osten um im Schnitt 244 Prozent angestiegen. Dazu zählen Bargeld, Bankguthaben, Wertpapieren und Forderungen abzüglich der Verbindlichkeiten. Thüringen holte mit einem Zuwachs von 288 Prozent am stärksten auf, gefolgt von Brandenburg (251 Prozent) und Sachsen-Anhalt (237 Prozent). Im Westen betrugt das Plus seit dem Mauerfall indes nur 95 Prozent. Allerdings – und das ist die schlechte Nachricht: Trotz der Aufholjagd sind die Ostdeutschen mit im Schnitt 40.000 Euro pro Haushalt im Vergleich zu den Nachbarn in den alten Bundesländern (63.000 Euro) deutlich weniger vermögend. Zu diesem Ergebnis kommt eine Berechnung der DekaBank, die sich auf Zahlen des statistischen Bundesamtes stützt.

Mit 35.500 Euro pro Kopf liegt Magdeburg im M

Eine andere aktuelle Erhebung des Wertpapierhauses der deutschen Sparkassen-Finanzgruppe nimmt indes bundesweit die regionalen Unterschiede unter die Lupe. Hier legte die Deka zentrale Marktdaten der Banken aus Oktober 2019 zugrunde – z.B. zu Fonds, Zertifikaten, Altersvorsorge, regelmäßig Sparen und Lebensversicherungen. Danach beträgt das Geldvermögen im Bundesdurchschnitt 51.800 Euro je Einwohner. Am reichsten sind die Bewohner im Landkreis Stamberg mit 91.000 Euro, in Sachsen-Anhalt sind es dagegen nur 36.400 Euro im Schnitt.

„Auch innerhalb des Bundeslandes ist das Vermögen sehr unterschiedlich verteilt“, erklärt Dr. Gabriele Widmann, Deka-Volkswirtin zur Analyse: Der Landkreis mit dem meisten Geld auf der hohen Kante ist das Jerichower Land (41.800 Euro je Einwohner), gefolgt vom Bördekreis (41.600 Euro). Mehr als 10.000 Euro weniger im Schnitt haben die Hallenser angespart, sie bilden laut Widmann mit 31 100 Euro das Schlusslicht. Magdeburg liegt mit einem Geldvermögen von 35.300 Euro pro Kopf im Mittelfeld. Hier ragt der Stadtteil mit der Postleitzahl 39104 (Altstadt-Buckau) mit 40.909 Euro heraus. Die Rote Laterne trägt mit 32.090 Euro der Stadtteil mit der Postleitzahl 39122 (Fermersleben, Salbke, Westerhüsen, Beyendorf-SohlenII).

Das Sparpotenzial der Landkreise in Sachsen-Anhalt zeigt ein anderes Bild, da hier das für Konsumzwecke verfügbare Einkommen, also die Kaufkraft, ins Verhältnis gesetzt wird. So könnte in der Börde und im Saalekreis pro Kopf im Schnitt 181 Euro im Monat für Geldanlagen wie Sparen, Sachinvestitionen wie Wohneigentum oder die Kredittilgung ausgegeben werden, im Landkreis Stendal nur 160 Euro. „In Städten wie Magdeburg und Halle fällt zudem auf, dass das verfügbare Einkommen zwar hoch ist, aber weniger davon auf die hohe Kante gelegt wird.“ Widmanns Vermutung ist, dass hier ein großer Teil des Geldes beispielsweise in Kredittilgungen investiert wird, sodass für die reine Vermögensbildung weniger übrig bleibt.

Kaum Unterschiede gibt es indes in der Form des Sparens zwischen Ost und West, so Widmann. „Die Mehrheit - egal wo – spart noch immer am liebsten mit dem Sparbuch.“ Im Schnitt ruht die Hälfte des Geldvermögens in Anlagen. Aber: Die Deutschen sparen viel, aber renditearm. „In Nullzinszeiten verschenken sie also sehr viel Geld.“

Auch Jens Eckhardt, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse Magdeburg, hält nicht viel davon, Geld unters Kopfkissen zu packen. „Da bleibt der Wert zwar gleich, aber über die Jahre geht bei steigender Inflation viel an Kaufkraft verloren.“ In Magdeburg sind es den Berechnungen zufolge fast 300 Euro pro Kopf jedes Jahr.

Durch reditearmes Sparen wird viel Geld versc

Wenn es um die derzeit am besten geeigneten Sparformen geht, beobachten die Experten viel Unsicherheit und eine große Skepsis gegenüber Wertpapieren. Das zeige sich an der niedrigen Aktionärsquote von 5,2 Prozent in den neuen Bundesländern und 6,7 Prozent in den alten. Dabei sind Aktien und Fonds angesichts der niedrigen Zinsen die einzige Möglichkeit, um noch langfristig eine Rendite zu erzielen, meint der Finanzexperte. „Da sehe ich in der Region noch viel Luft nach oben“. Die Niedrigzinsphase auszusitzen, macht in Widmanns Augen keinen Sinn. Angesichts neuer Leitzinssenkungen würden Notenbanken den gegenwärtigen Kurs noch lange beibehalten: „Wir rechnen mit fünf bis zehn Jahren.“

Um liquide zu sein, reichen aus Expertensicht zwei bis drei Monatsgehälter auf dem Girokonto aus. Um mögliche Risiken einer Ertragsminderung aus dem Weg zu gehen, wird zu Wertpapieranlagen mit einer breiten Streuung und langer Anlagendauer geraten. Für junge Leute sei neben dem Schaffen von Wohneigentum als Altersvorsorge das „Fondssparen“ eine empfehlenswerte Alternative, so Eckhardt. Dabei sei es egal, ob jeden Monat 25 oder 100 Euro gespart werden – jeder Euro zählt. Eine Geldanlage sei ohnehin kein Sprint, sondern ein Marathon. „Das Durchhalten wird belohnt.“