Magdeburg (dpa) l Seit Mitternacht gelten in Sachsen-Anhalt zur Eindämmung des neuartigen Coronavirus weitere Einschränkungen der Bewegungsfreiheit. So sollen die Menschen ihre Wohnungen nur noch "bei Vorliegen triftiger Gründe" verlassen, wie die Landesregierung mitteilte. Kontakte mit mehr als einer Person sollen außerhalb der Wohnung vermieden werden. Außerdem müssen Friseurläden, Kosmetik-, Nagel-, Piercing- und Tattoostudios schließen.

Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) appellierte an die Menschen in Sachsen-Anhalt, die neuen Regeln unbedingt zu befolgen. "Die Zeit drängt. Es geht um die Gesundheit und das Leben der Bürgerinnen und Bürger in unserem Land", sagte Haseloff laut Mitteilung. "Die Sachsen-Anhalterinnen und Sachsen-Anhalter haben bislang alle getroffenen Anordnungen sehr konsequent befolgt. Dafür danke ich Ihnen. Gemeinsam werden wir die Coronakrise meistern." Eine Verschärfung der Maßnahmen sei dennoch unumgänglich.

Zu den Ausnahmen für die Ausgangsbeschränkungen zählt die Landesregierung Arbeit, Lieferverkehre und Umzüge, Arztbesuche oder Termine beim Psycho- oder Physiotherapeuten und den Einkauf von Waren des täglichen Bedarfs. Auch Besuche bei Kindern, Alten oder Kranken, Sport und Bewegung an der frischen Luft, alleine oder mit Angehörigen des eigenen Hausstandes, bleiben demnach ebenso erlaubt wie die Versorgung von Tieren. Die Regelungen gelten zunächst für zwei Wochen.

Mit den neuen Regeln setzt Sachsen-Anhalt Beschlüsse um, auf die sich am Sonntag die Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einer Telefonschalte geeinigt hatten. Die Kanzlerin mahnte nach der Besprechung vor allem an, anderen Menschen dieser Tage nicht zu nahe zu kommen: "Es ist das aller, aller Wichtigste, dass die Abstandsregeln eingehalten werden", sagte die Regierungschefin.

Kein Corona-Todesfall

Sachsen-Anhalt ist bislang vergleichsweise glimpflich durch die Coronakrise gekommen. Das Gesundheitsamt wusste am Sonntagnachmittag von 269 bestätigten Fällen – in ganz Deutschland waren bis Sonntag mehr als 24.100 Infektionen mit dem neuen Coronavirus bekannt. Mehr als 90 mit Sars-CoV-2 Infizierte sind bislang bundesweit gestorben, in Sachsen-Anhalt gab es bis zum Sonntagnachmittag noch keinen Corona-bedingten Todesfall.

Anders als in anderen Ländern und Bundesländern können die Behörden in Sachsen-Anhalt auch nach wie vor die Infektionsketten größtenteils lückenlos zurückverfolgen und so oft verhindern, dass Infizierte den Erreger Sars-CoV-2 unkontrolliert weiterverbreiten. Laut einer Auswertung des Gesundheitsministeriums, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, haben sich die meisten Infizierten Sachsen-Anhalts direkt und indirekt in Österreich angesteckt.

Von 266 Fällen in der Auswertung gehen 86 direkt oder indirekt auf eine Reise in die Alpenrepublik zurück. 77 infizierten sich demnach in Deutschland oder steckten sich bei in Deutschland infizierten Menschen an. In nur 69 Fällen konnten die Ämter den Ursprung der Ansteckung nicht verorten. Aus Italien, wo bisher die meisten Menschen weltweit an der vom Virus ausgelösten Krankheit Covid-19 starben, steckten sich 19 Menschen direkt oder indirekt an. Weitere Infektionen konnten die Behörden auf Reisen nach Israel, Ägypten und die Schweiz zurückführen.