Magdeburg l „Innen riecht es nach verbranntem Öl“, sagt Henning Frank. „Und der Boxenmotor erst, der klingt wie ein kleiner Porsche. Diesen Sound muss man mal gehört haben.“ Wenn der 52-Jährige seine Faszination für den VW Käfer beschreibt, gerät er schnell ins Schwärmen. Auch Stolz schwingt in seiner Stimme mit. Denn: In Franks Garage in Haldensleben steht eine echte Rarität. 2003 stellte VW die Produktion des Käfers in Mexiko ein. Zum Abschied gab es die Sonderserie „Última Edición“ mit insgesamt 3000 Modellen. Nur wenige Autos wurden nach Deutschland importiert. „Ich habe den Käfer 2003 online bestellt für rund 12 000 Euro“, erzählt Frank. Über Wöbbelin in Mecklenburg-Vorpommern überführte er die Knutschkugel dann nach Hause.

Problem: Seit 2001 ist in der EU für Neuwagen eine On-Board-Diagnose vorgeschrieben. Das ist das kleine Lämpchen, das leuchtet, wenn zum Beispiel mit dem Motor etwas nicht stimmt. Die fehlte jedoch beim Käfer. Nur aufgrund des Engagements von Walter Köhler, Gründer des Clubs „Última Edición“, gelang es, eine deutsche Zulassung zu erhalten.

„Mit vielen Gleichgesinnten haben wir Briefe mit dem Zulassungsproblem aufgesetzt, das Fernsehen unterrichtet und Journalisten aus der Automobilbranche informiert“, erinnert sich Köhler. „Es konnte ja nicht sein, dass die letzten der Gattung keine Zulassung bekamen.“ Am Rande einer Bundesratssitzung überreichten die Käfer-Anhänger über Kontakte durch das Magazin „Auto Bild“ dem damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber ein Schreiben, in dem das Problem erläutert wurde. Mit Erfolg. „Innerhalb von drei Tagen war die Genehmigung erteilt. Dann mussten die anderen 15 Bundesländer beackert werden“, berichtet Köhler.

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Auch Henning Frank ist Mitglied im Club, fährt zu Treffen nach Stuttgart, Schweden oder anderen Teilen Europas. „Ein VW Käfer ist einfach pures Fahren“, sagt er, der bereits 1991 als Student seinen ersten VW Käfer kaufte. Eine Art Alleinstellungsmerkmal sei das damals gewesen. „Überall wurde ich belächelt, was ich denn mit so einem alten Auto will“, erinnert sich Frank, der mit seinem ersten VW Käfer zum Studieren zwischen Haldensleben und Halle pendelte. „Für mich gab es damals kein besseres Auto.“

Leidenschaft wird in Familien übertragen

Das galt auch für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit dem Käfer etablierte sich Volkswagen als weltweite Marke, das Auto für jedermann wurde zum Exportschlager. Neue Werke, wie zum Beispiel 1964 in Emden, wurden extra für die Käfer-Produktion errichtet.

Doch was machte und macht den VW Käfer für viele Liebhaber noch bis heute so besonders? „Der Käfer ist simpel aufgebaut“, sagt Köhler. Man kann ihn schlichtweg schnell selbst reparieren, mal eben einen Kotflügel mit schnellen Handgriffen wechseln. „Er läuft und läuft und läuft ...“, heißt es in einem berühmten VW-Werbesport.

Der Käfer stand für Zuverlässigkeit, für Robustheit, kurzum: für Beständigkeit. „Früher war es eben wichtig, ein Auto zu fahren, das preiswert und zuverlässig war“, sagt Köhler, der noch bis heute in Mönchengladbach lebt.

Erst Anfang der 1970er Jahre ließ der Absatz der VW Käfer nach. Andere Modelle drängten auf den Markt. Bereits 1978 rollten in Emden zum letzten Mal in Deutschland Käfer vom Band. Und dennoch ist der Käfer das Kultauto des 20. Jahrhunderts und heute mit 39 758 Exemplaren der am häufigsten angemeldete Oldtimer in Deutschland. Auch, weil die Leidenschaft in vielen Familien von Generation zu Generation übertragen wurde.

So auch bei Henrik Bischoff. Ein kurzer Blick in die einzelnen Räume seines Zuhauses genügen, um diese Leidenschaft wahrzunehmen. Gleich im Eingangsbereich steht ein Schaukelpferd in Käfer-Form, das Original-Buch zu eben jener Sonderedition von 2003 steht gut platziert im Wohnzimmer und je weiter der Blick schweift, desto mehr Poster, Bilder und Aktenordner voller Käfer-Erinnerungen werden sichtbar. Kein Wunder, denn seit Bischoff 1988 von seinem Vater den ersten Käfer übernahm, besaß er immer mindestens einen „Buckelporsche“.

Insgesamt sind es bis heute, so schätzt er, zwölf bis 15 gewesen. „In der DDR war es etwas Besonderes, einen Käfer und damit ein West-Auto zu fahren“, sagt Bischoff. „Das war auch eine Art Rebellion.“ Kontrolliert wurde er immer, gleichzeitig waren Käfer-Fahrer unter sich aber eben auch eine eingeschworene Gemeinschaft, „wir haben uns auf der Straße immer gegrüßt“, erzählt Bischoff, der Anfang der 1990er Jahre den Verein Magdeburger Käferfreunde gründete. Jährlich traf sich die Szene aus dem Umland am Jersleber See zum großen Käfertreffen. Doch damit nicht genug: Bischoffs Leidenschaft reicht so weit, dass er am 20. März 1999 mit drei weiteren Mitstreitern des Käferclubs den Motor eines VW Käfers in nur 96 Sekunden wechselte – Weltrekord und damit ein Eintrag im Guinness Buch der Rekorde wert. „Das war schon etwas Besonderes.“

Den Verein gibt es bereits seit 2010 nicht mehr, aber bis heute schraubt und bereitet Bischoff alte Käfer auf. Derzeit wartet er auf seinen „Brezelkäfer“, der gerade noch lackiert wird. Baujahr: 1951. Seinen nicht ganz ernst gemeinten Namen hat das Auto vom Mittelsteg, der das Heckfenster teilt. Erst zwei Jahre später wurde das Fenster durch ein ovales Heckfenster ersetzt. Der einmillionste Käfer, der am 5. August 1955 vom Band rollte, war dementsprechend ein Ovali.

Der einsatzbereite Motor steht in Bischoffs Garage. Daneben: ein VW Käfer Cabrio, Baujahr 1978. „Der hat noch Original-Lack drauf und ist im Auslieferungszustand“, sagt Bischoff stolz. Wie oft er damit im Jahr fahre? „Vielleicht zweimal.“ Ein Liebhaber-Stück eben.