Magdeburg l Eine Bootsfahrt, die ist lustig ... Vor allem, wenn man selbst Hand anlegt und die Natur und Sehenswürdigkeiten der Region mit ureigener Antriebskraft vom Wasser aus erkundet. Kanu-Olympiasieger Andreas Ihle stellt im dritten und letzten Teil der Volksstimme-Serie „Wanderbares Sachsen-Anhalt“ seine fünf Favoriten für das entspannte Wasserwandern vor.

Der Ex-Rennkanute vom SC Magdeburg kennt durch sein jahrelanges Training vor allem die Elbe wie aus dem Effeff. Sie gehört zu den mächtigsten Strömen Europas. Rund 940 der insgesamt 1091 Kilometer sind schiffbar. „Aber auch Saale, Unstrut, Bode oder Havel haben einiges zu bieten. Auf jeden Fall sollte immer Zeit für einen Landgang einplant werden“, rät der einstige Kajak-Spezialist. Sachsen-Anhalt verfügt über ein riesiges Wasserwegenetz und dem Wassertourismus wird viel Wert beigemessen.

So wurde eine Initiative des Landes zur Weiterentwicklung des Wassertourismus mit dem Namen „Blaues Band“ gegründet. Vielerorts sind so in den vergangenen Jahren neue Steganlagen und Servicestationen errichtet worden, reichhaltige Programme laden zu Aktivitäten am oder auf dem Wasser ein. Im ersten Teil der Serie hatte „Wanderkönigin“ Inge Wilhelm ihre Top 5 der schönsten Routen durchs Land gekürt, im Teil 2 war es Ex-Radrennfahrer Gus-Erik Schur.

Von Wendelstein/Memleben über Wangen nach Kirchscheidungen (Unstrut):
„Wer das Kanu-Wandern liebt, gern ein Gläschen Wein trinkt und Entspannung sucht, ist hier genau richtig“, ist Andreas Ihle sicher. Für ihn gibt es landschaftlich gesehen nichts Schöneres, als zwischen den malerischen Weinbergen mit dem Kajak unterwegs zu sein. „Es gibt jede Menge zu entdecken - auch für einen Kulturbanausen wie mich“, meint der Olympiasieger, der die Saale-Unstrut-Region schon etliche Male vom Wasser aus erkundet hat.

Ihles Lieblingstour ist mittelschwer, hat eine Länge von 24,2 Kilometer und ist in gut 6 Stunden zu bewältigen. Deswegen: Ausstiege und Pausen einplanen!

Bequeme Einstiege sind an der Schleuse Wendelstein oder am Kanuanleger am Ortseingang Memleben möglich. Unterhalb der Bundsansteinformation „Steinklöbe“ entlang fließt die Unstrut vorbei an der Arche Nebra (Ausstieg am Anlger Wangen möglich). Vorbei an Nebra kommt man zu einer schönen Ansicht auf das Schloß Vitzenburg. Weiter geht es vorbei an Reinsdorf und Karsdorf. Hier schlängelt sich der Fluss wieder schön unter Bäumen bis zur Schleuse nach Tröbsdorf. Immer wieder Aussicht auf des Barockschloß Burgscheidungen (Ausstieg nach der Schleuse links am Anleger Burgscheidungen möglich). Möglichkeit für Rast oder Picknick bietet sich in Wangen, Nebra, Reinsdorf oder Karsdorf.

„Wenn die Zeit bleibt, sollte ein Besuch der Arche Nebra ins Auge gefasst werden“, lautet der Tipp von Andreas Ihle. Vom Ausstieg Wangen aus sind es 30 Minuten Fußweg. Und an dieser Stelle noch ein Geheimtipp von Ihle: „Wer noch durchhält paddelt noch ein Stück weiter auf der Unstrut bis Höhe ein bisschen weiter paddelt, wird nahe Dorndorf belohnt: Boy‘s Gutsausschank ist unschlagbar.“

Bad Kösen über Naumburg nach Weißenfels (Saale-Unstrut-Region):
Auf Rang zwei hat es die Tour mit dem Herzstück naumburg geschafft. Sie ist etwa 30 Kilometer lang und ebenfalls mittelschwer. Ihle: „Es braucht schon etwas Sitzfleisch, denn man ist, je nach Tempo, vier bis fünf Stunden unterwegs.“ Gestartet wird in Bad Kösen – linkerhand die Weinberge mit ihren fantasievoll gestalteten Weinhäusern. Von der anderen Saaleseite aus grüßt das Kloster Pforta, dessen auffälligster Bau die ehemalige Klosterkirche aus dem Jahre 1320 ist. „Naumburg mit der charakteristischen Silhouette des Doms und der Wenzelskirche – am rechten Flussufer gelegen – lässt sich vom Wasser jedoch nur erahnen“, rät der Kanu-Experte zu einem Abstecher.

Ein landschaftlich eindrucksvolles Bild bietet die Mündung der Unstrut in die Saale. Danach wird der Fluss breiter und gemächlicher, so dass Sie vorbei an der stolzen Schönburg bis zum beeindruckenden Bauensemble von Schloss Goseck „rutschen“. Unterhalb des Ortes wartet die Schleuse Öblitz, bei Schließung sind auch Umtragemöglichkeiten vorhanden. Von hieraus erreichen schließlich Weißenfels

Auf der Bode von Ditfurt nach Wegeleben (12 Kilometer/4 Stunden), Gröningen bis Oschersleben (14 km, /4,5 h):
Mit dem Kanu geht es flussabwärts durch eine beschauliche Flusslandschaft, gesäumt von kleine Dörfern mit geschichtsträchtigen Kirchen und herrlichen Schlössern. Genießen Sie die Natur aus einer völlig neuen Perspektive. Fahren Sie unter einer Brücke hindurch statt darüber hinweg. Beobachten Sie Libellen, Reiher, Eisvögel und vielleicht sogar einen Biber. Fraßspuren finden sich auf jeden Fall.

Wo die Tour beginnt, können Sie selbst bestimmen. Die Bode bietet zwischen Ditfurt und Nienburg zahlreiche Möglichkeiten zum Ein- und Ausstieg. „Die Tour in einem Rutsch ist eher etwas für geübte Paddler“, weiß unser Kanu-Experte mit Blick auf die naturbelassene Streck mit urwaldähnlichen Abschnittten, einem schmalen Flussverlauf, viele Kurven und überhängenden Ästen. Ihles Tipp: Mit einem Zelt im Gepäck lassen sich die beiden schönsten Abschnitte der Bode bestens an einem Wochenende fahren.

Elbe-Börde-Heide-Tour von Calbe nach Barby:
„Die Tour hat einen leichten Schwierigkeitsgrad und ist mit 22 Kilometern Länge auch etwas für Anfänger und Familien“, meint der Ihle. Gestartet wird mit der Passage der Schleuse Calbe. Bis zur Mündung in die Elbe strömt die Saale ohne Wehranlagen – genießen Sie die willkommene Unterstützung. In weiten Mäandern findet die Saale ihren Weg bis zu Mündung in die Elbe. Mit etwas Glück können Biber beobachtet werden. Beim SSV Blau-Weiß Barby oder am Gaststeg der Stadt Barby ein kleines Stück unterhalb der Fähre endet die Tour. Alternativ kann man auch bis Schönebeck weiterfahren, dort besteht Anschluss an das Netz der Deutschen Bahn.

Unterhalb der Gierseilfähre Groß Rosenburg und bei Klein Rosenburg gibt es Rastplätze am rechten Ufer. Lohnenswert ist ein Abstecher zur mittelalterlichen Burgruine in Klein Rosenburg.

Schleusenkanal-Elbe-Havel-Tour (Havelberg) (Aktuell nicht befahrbar)
Diese Kanutour ist etwa 20 Kilometer lang und landschaftlich sehr abwechslungsreich. Gestartet wird am Kanuclub in Havelberg. Von hier aus geht es durch die Schleuse und den Schleusenkanal die Elbe hinunter. Diese paddelt man etwa fünf Kilometer flussabwärts. „Bei günstigen Winden kann das ein wahrer Hochgenuss sein, denn die Strömung ist hier meist gut bis sehr gut und man kann sich treibenlassen“, gibt der Kanu-Olympiasieger seine Erfahrungen wieder.

Bei Neuwerben (Elbe-Kilometer 427,7) geht‘s rechts in die Havelmündung hinein bis hin zum Wehr Quitzöbel/Neuwerben. Über eine hohe Böschung rechtsseitig wird umgesetzt. Hier kreuzt zudem ein beliebter Fahrradweg und es gibt schöne Pausenmöglichkeiten. Die weitere Kanutour führt acht Kilometer über die Havel zurück nach Havelberg.