Magdeburg l Auftragsrückgänge, Kaufzurückhaltung, Kurzarbeit: Die 662 Betriebe des verarbeitenden Gewerbes in Sachsen-Anhalt müssen wegen der Coronakrise massive Ausfälle verkraften. Die gestern vom Statistischen Landesamt vorgelegte Statistik zeigt: Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum gingen die Umsätze im ersten Halbjahr um gut acht Prozent zurück. Beim Export sind es sogar mehr als zwölf Prozent. Erfragt wurden Daten von Betrieben mit mindestens 50 Mitarbeitern. In ihnen arbeiten 110 000 Beschäftigte. Das sind gut 1000 weniger als im ersten Halbjahr 2019.

Hatten die Betriebe von Januar bis März noch kräftig zugelegt, so kam der Einbruch dann von April bis Juni. „Wir merken die Zurückhaltung privater Kunden aber auch die Auftragsrückgänge durch die öffentliche Hand“, sagt Ralf Luther, Chef vom Stahlbau Magdeburg. Das öffentliche Auftragsvolumen liege derzeit bei nur 60 Prozent vom Üblichen. „Dort klemmt es.“ Der Stahlbetrieb liefert vor allem Brücken. Offensichtlich seien durch das Homeoffice in den Behörden etliche Vergabeverfahren liegen geblieben. „Das muss wieder beschleunigt werden“, sagte Luther, der auch Vorstandschef des Arbeitgeberverbands im Land ist. Das Instrument der Kurzarbeit helfe noch, Entlassungen in Größenordnungen zu vermeiden, sagte Luther.

Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) sagte, dass die Pandemie der Wirtschaft „zweifellos einen Schlag“ versetzt habe. Er habe daher beim Finanzminister für 2021/22 zusätzlich 56 Millionen Euro Fördergelder beantragt, um Investitionen anzukurbeln. Immerhin hätten die 280 Millionen Euro Sorforthilfe für Unternehmen dazu beigetragen, dass die Lage nicht noch schlimmer wurde.

Klaus Olbricht, Inhaber des Elektromotorenbaus Barleben und Chef der Industrie- und Handelskammer Magdeburg, erwartet eine grundlegende Wende erst dann, wenn ein Impfstoff oder ein Medikament gegen Covid-19 verfügbar ist. Seite 4