Iden (dpa) l  Rund 45 Informationsveranstaltungen, elf individuelle Beratungen zum Herdenschutz: Die Experten des neu geschaffenen Wolfskompetenzzentrums in Sachsen-Anhalt haben in den ersten Monaten bereits ordentlich zu tun gehabt. Im Februar ging die Einrichtung in Iden in der Altmark an den Start, seit Anfang September ist mit fünf Mitarbeitern die volle Besetzung im Einsatz.

Die Experten sollen Tierhalter beraten, wie sie ihre Herden vor Wolfsangriffen schützen können, und beim oft emotional diskutierten Thema Wolf Aufklärung leisten. Leiter Andreas Berbig sieht bereits erste Erfolge. Im Fall von Nutztierrissen sei man nun deutlich schneller vor Ort, sagte Berbig der Deutschen Presse-Agentur. Zwei Mitarbeiter kümmern sich speziell um die Begutachtung von getöteten Nutztieren.

Viele Tierhalter fürchten wegen der Ausbreitung des Wolfes um ihre Herden. Berbig geht anhand des aktuellen Monitorings von 70 bis 80 Wölfen im Land aus. 2014 waren es noch 64. In diesem Jahr haben die Raubtiere bislang 107 Nutztiere gerissen – rund die Hälfte waren Schafe, aber auch viele Kälber wurden von Wölfen getötet. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt 135 Tiere.

Wolfssichtungen in der Altmark

Stendal (ta) Der Wolf sorgt in der Altmark zunehmend für kritische Diskussionen. Die Menschen sorgen sich um ihre Sicherheit, Landwirte um ihre Tierherden, Tierschützer hingegen um den Bestand der Wölfe. Die Volksstimme hat zusammengefasst, wie oft der Wolf bisher in der Altmark in Erscheinung getreten ist.

  • 8. Juni 2013: Ein Wolf ist auf dem Truppenübungsplatz Altmark gesichtet worden. Es ist eines der ersten Bilder, die ein Wolfsaufkommen in der Altmark dokumentiert. Foto: Bundesforst Nördliches Sachsen-Anhalt

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  • 17. Juni 2013: Ein weiterer Wolf auf dem Truppenübungsplatz Altmark in der Colbitz-Letzlinger Heide gesichtet worden. Foto: Bundesforst Nördliches Sachsen-Anhalt

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  • 17. Juli 2013: Auf dem Truppenübungsplatz Altmark in der Colbitz-Letzlinger Heide wurden junge Wölfe gesichtet. Sie sind mit einer Wildkamera aufgenommen worden. Es ist eines der ersten Bilder mit Jungwölfen in der Altmark. Es scheint sich hiier ein Rudel angesiedelt zu haben. Archivfoto: Bundesforstbetrieb Nördliches Sachsen-Anhalt

    17. Juli 2013: Auf dem Truppenübungsplatz Altmark in der Colbitz-Letzlinger Heide wurden jun...

  • 2015: Mit Schildern wie diesem, das vor einem Vierteljahr am Waldrand von Potzehne bei Gardelegen hing, wird darauf hingewiesen, dass Wölfe in diesem Gebiet nach Beute suchen. Archivfoto: Cornelia Ahlfeld

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  • 30.3.2015: Philipp Koevel sichtete einen Wolf auf der Straße von Dobbrun in Richtung Osterburg. Foto: privat/Philipp Koevel

    30.3.2015: Philipp Koevel sichtete einen Wolf auf der Straße von Dobbrun in Richtung Osterbu...

  • 23. Juni 2015: Und wieder ist ein Wolf auf dem Truppenübungsplatz Altmark in der Colbitz-Letzlinger-Heide mit einer Wildkamera aufgenommen worden. Archivfoto: Bundesforstamt Nördliches Sachsen-Anhalt

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  • 2016: Mit einer Wildkamera sind auf dem Klietzer Platz mehrere Filmsequenzen aufgenommen worden, von denen dieses Foto stammt. Foto: privat/Dirk Rahnfeld

    2016: Mit einer Wildkamera sind auf dem Klietzer Platz mehrere Filmsequenzen aufgenommen worden, ...

  • 4. August 2016: Die Wildkamera hält am dieses Bild mit den zu diesem Zeitpunkt noch recht kleinen Wolfswelpen auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes Altmark in der Colbitz-Letzlinger Heide fest. Foto: Bundesforst Nördliches Sachsen-Anhalt

    4. August 2016: Die Wildkamera hält am dieses Bild mit den zu diesem Zeitpunkt noch recht kl...

  • 23.7.2016: Neugierig guckt einer der fünf Wolfswelpen in der Colbitz-Letzlinger Heide in die Wildkamera. Foto: Bundesforst Nördliches Sachsen-Anhalt

    23.7.2016: Neugierig guckt einer der fünf Wolfswelpen in der Colbitz-Letzlinger Heide in die...

Berbig sagte, das Thema Wolf sei bei vielen mit Emotionen verbunden – negativen wie positiven. Eine Hauptaufgabe des Wolfskompetenzzentrums sieht der Biologe deshalb in der Informations- und Aufklärungsarbeit.

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Vor allem die Beratung von Tierhaltern gehört zum Alltagsgeschäft der Experten. "Wir haben jetzt auch eine studierte Landwirtin bei uns", sagte Berbig. Sie könne sich ganz anders in die Betriebsabläufe vieler Tierhalter hineindenken – und so Lösungsmöglichkeiten vorschlagen. "Das wird von den Haltern oft honoriert", sagte Berbig.

Die meisten Berufsschäfer schützten ihre Herden inzwischen gut vor Wolfsangriffen. Mit engmaschigen Netzzäunen hätten viele aufgerüstet. Probleme gebe es aber noch bei Hobbyhaltern, die oft den Aufwand für den Herdenschutz scheuten. "Ein wackeliger Maschendrahtzaun reicht aber nicht aus", sagte Berbig.

Mit den richtigen Schutzmaßnahmen lasse sich die Gefahr eines Wolfsangriffs deutlich senken. Es gelte, dem Wolf einen Angriff so schwer wie möglich zu machen. "Wenn er die Chance sieht, schlägt er zu", sagte Berbig.

In Zukunft wollen die Experten des Kompetenzzentrums verstärkt den Schutz von Rindern in den Blick nehmen. In zwei Pilotprojekten im Jerichower Land sollen deshalb neue Zäune getestet werden. "Es geht darum, welche Anforderungen so ein Zaun erfüllen muss", sagte Simone Dahlmann, im Wolfskompetenzzentrum für den Herdenschutz zuständig.

Die in der Schafhaltung verwendeten Netzzäune seien für die großen Flächen der Rinderhaltung nicht praktikabel. Stattdessen sollen Zäune mit mehreren gespannten Drähten die Tiere vor Wolfsangriffen schützen. Mindestens ein Jahr lang soll nun beobachtet werden, ob die Zäune in den Pilotprojekten Wirkung zeigen.

So reagiert man auf einen Wolf im Wald richtig.