Magdeburg l Es ist nur eine Autostunde von der Landeshauptstadt ins kleine Schopsdorf an der Grenze zu Brandenburg. Und doch liegen zwischen beiden Orten Welten. Das Umweltministerium in Magdeburg wird nicht müde, den Schutzstatus des Wolfes zu betonen. Dafür schlägt ihm immer offener die Wut der Bauern entgegen.

Neun Kälber verloren

Schopsdorf im Jerichower Land ist jüngster Anlass für den Ärger. Seit dem Jahreswechsel hat die örtliche Agrargenossenschaft bereits neun Rinderkälber – vermutlich durch Wölfe – verloren. 2016 waren es im ganzen Jahr zwölf, sagt Chef Uwe Menge. Die Vorfälle sind ein Extremfall. Doch viele Bauern fürchten, sie könnten den Trend für andere Landesteile vorgeben.

Am Dienstag wagt sich Ministerin Claudia Dalbert (Grüne) trotzdem nach Schopsdorf. Schließlich hat mit Nils Rosenthal ein Parteikollege, der im Dorf wohnt, den Besuch angeregt. An einer Koppel am Ortsrand wird sie bereits von Viehhaltern erwartet. „Wir wollen volle Entschädigung für getötete Tiere“, sagt Uwe Menge bei dem Treffen sinngemäß. Menge meint den Verkaufswert, nicht den derzeit gezahlten Marktwert. Tatsächlich ist die Differenz zwischen beiden Beträgen erheblich und kann 600 Euro betragen. Dalbert zeigt Verständnis für die Rinderhalter, verweist aber auf Haushaltsbeschränkungen. Verbindlich zusagen kann sie ihnen nichts.

Als die Ministerin wieder nach Magdeburg abfährt, sind die Beteiligten dennoch nicht unzufrieden. „Dass sie sich die Tiere angeschaut hat, rechne ich ihr hoch an“, sagt Franz-Michael Behrendt, Chef der benachbarten Agrargenossenschaft Paplitz. Andernorts dagegen schlägt die Wut höhere Wogen. Beim Bauernfrühstück des Kreisbauernverbandes Stendal am Freitag in Klietz wird die neue „Bauernregel Nr. 1“ präsentiert: „Der Wolf im Land ohne Verbot, bringt Lamm und Kalb den sicheren Tod“, steht auf Plakaten geschrieben. – Es ist auch eine Reaktion auf eine umstrittene Plakataktion des Bundesumweltministeriums.

Entschädigungen zu gering

Der Zorn der Bauern richtet sich dabei auch konkret gegen das Land: „Die Entschädigung für ein gerissenes Tier ist lächerlich“, sagt Hubert Aselmeyer aus Rehberg bei Havelberg. Für den Landwirt kommt nur eine Lösung infrage. „Der Wolf muss ins Jagdrecht“, fordert er.

Das wünscht sich auch Kerstin Ramminger, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Stendal. „Entschädigungen lösen das Problem nicht“, erklärt sie. „Wenn Wölfe sich wiederholt einer Herde nähern, müssen sie geschossen werden dürfen.“

Auch Gernot Pohl von der Rinderallianz hält die aktuellen Entschädigungen für unzureichend: Die Bauern hätten sich mit dem früheren Umweltminister Herrmann Onko Aeikens (CDU) auf angemessenere Summen geeinigt: „Ich erwarte, dass die neue Landesregierung dem nachkommt“, sagt er. Bauern müssten so viel Geld erhalten, dass sie am Ende nicht die Geschädigten sind.

Das Umweltministerium signalisiert gestern Entgegenkommen. Dass Entschädigungssummen steigen müssen, habe die Ministerin aus dem Gespräch mitgenommen, sagt Sprecherin Tanja Ries. Außerdem soll die Dauer bis zur Auszahlung von Rissentschädigungen reduziert werden. Sie soll von sechs auf vier Monate sinken. Den Bauern in Stendal ist das zu wenig. Sie haben einen ganzen Katalog an Fragen erarbeitet. „Wie viele Wölfe verträgt unser Land“, heißt es darin. Andere Themen betreffen die öffentliche Sicherheit und Maßnahmen zur Vergrämung. Der Brief soll auch an Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) gehen.