Zwischenbericht nach Erdrutsch von Nachterstedt

Von Norbert Claus

Nachterstedt (dapd) l Drei Jahre nach dem folgenschweren Erdrutsch am "Concordia"-Tagebausee in Nachterstedt (Salzlandkreis) haben Experten neue Erkenntnisse zu den Ursachen des Unglücks vorgelegt. Aus einem gestern veröffentlichen Zwischenbericht des zuständigen Bergbausanierers LMBV geht hervor, dass der Aufbau der Erdschichten, die Grundwasser führen, und die Druckverhältnisse unterhalb der abgebauten Kohleflöze vermutlich eine wesentliche Rolle bei dem Unglück am 18. Juli 2009 gespielt haben.

Es sei festgestellt worden, dass die grundwasserführende Erdschicht unter der Kohle "rinnenähnliche Strukturen" aufweise und dass diese mit den Bergbauhalden verbunden seien. Die Ermittlungen sollen bis Mitte 2013 abgeschlossen werden.

Bei dem Erdrutsch vor drei Jahren stürzte die Südböschung des ehemaligen Braunkohletagebaus, der geflutet wird, in einen See. Drei Bewohner starben in den Trümmern ihres Hauses, die in den Abgrund gerissen wurden. 42 Menschen mussten ihre Häuser in der betroffenen Siedlung aufgeben. Einige von ihnen erhielten andere Häuser oder Wohnungen. Einige der Betroffenen verließen den Ort. Der See, der vor dem Unglück bereits von tausenden Touristen als Naherholungsgebiet genutzt wurde, ist seither gesperrt.

Am heutigen Mittwoch (18 Uhr) ist in der St.-Nicolai-Kirche in Nachterstedt eine Andacht für die Opfer des Unglücks geplant.

Wie das Bergbauunternehmen LMBV mit Blick auf die laufenden Untersuchungen der Unglücksursache weiter mitteilte, wurden mehr als 20000 Akten aus Archiven zum Bergbau und zu Nachterstedt ausgewertet. Dabei seien die Unterlagen, die bis Mitte des 19. Jahrhunderts zurückreichen, mit dem heutigen Zustand der alten Bergbaustrecken und Schächte verglichen und durch zusätzliche Bohrungen an 13 Standorten ergänzt worden.

Den Angaben zufolge wurden bislang an Land und auf dem See 116 Bohrungen angesetzt. Die Erkundung des Sees sei im April abgeschlossen worden. Allein dort seien etwa 1500 Gesteins- und Sandproben entnommen und untersucht worden. Überprüft wurden vor allem die Zusammensetzung des Materials und die Verhältnisse der Bergbauhalden. Der Bergbausanierer hält weitere Bohrungen am Land für nötig, die bis zum Jahresende weitgehend abgeschlossen sein sollen. Auch am Rande des sogenannten Rutschungskessels gebe es weitere Untersuchungen.