Magdeburg (dpa/sa) - Es ist radioaktiv, krebserregend und strömt bei bestimmten geologischen Gegebenheiten einfach aus dem Boden: Radon. Zum Jahresende werden nun 15 Gemeinden im Südwesten Sachsen-Anhalts mit besonders hohem Aufkommen als Radon-Schutzgebiete ausgewiesen. Die Arbeitgeber in den betroffenen Gemeinden in den Landkreisen Harz und Mansfeld-Südharz müssen dann binnen 18 Monaten ein Jahr lang die Radon-Belastung in den Kellern und Erdgeschossen messen und bei einer hohen Belastung Schutzmaßnahmen ergreifen. Privatpersonen müssen das in den Schutzgebieten nur bei Neubauten.

"Radon gibt es im Prinzip überall", sagte der Strahlenschutz-Experte Bernd Köhler vom Energieministerium am Donnerstag. Das Auftreten hänge zum einen von der geologischen Beschaffenheit der Gegend ab. Unnatürliche Einflüsse wie Tagebaue oder Schlackehalden begünstigten jedoch das Auftreten des Gases, das beim Zerfall radioaktiver Stoffe wie Uran entsteht. "Aber es ist eine natürliche Strahlung, keine Ablagerung aus irgendwelchen Anlagen."

Die Ausweisung der Schutzgebiete geht auf ein Bundesgesetz zurück. Um die Landesteile mit potenziell hoher Belastung auszumachen, hat das Ministerium geologische Karten untersucht und mit Messdaten des Bundesamts für Strahlenschutz verglichen.

Der Nachweis von und der Schutz vor dem unsichtbaren, geschmacks- und geruchlosen Gas ist unkompliziert. Die Betriebe können laut Ministerium kleine Radonsammler zum Preis von 30 bis 50 Euro aufstellen. Die Radonkonzentration in Innenräumen lasse sich durch Schutzfolien an den Wänden verringern, spezielle Brunnen oder Dränagen unter den Gebäuden könnten das Gas außerdem gut ableiten, erklärte Köhler. Auch häufiges Lüften helfe. Die Umweltminister der Länder wollen sich dafür einsetzen, dass der Bund die Kosten für die Schutzmaßnahmen übernimmt.

Informationen des Bundesamts für Strahlenschutz