Magdeburg (dpa/sa) - Seit Jahren mahnen die Wirtschaftskammern, dass eine Welle an Chefwechseln an Unternehmensspitzen bevorsteht, jetzt haben Wissenschaftler das Ausmaß der Dynamik errechnet. Sachsen-Anhalt müsse sich einem "extrem stark ansteigenden Bedarf an Nachfolgelösungen stellen", heißt es in einer Studie im Auftrag der Bürgschaftsbank, die am Mittwoch in Magdeburg vorgestellt wurde. Die Experten schätzen, dass bis 2023 doppelt so viele Unternehmer einen Nachfolger für ihren Betrieb suchen als bisher.

Hauptgrund dafür ist laut Nachfolgemonitor ein allgemeiner Trend in Sachsen-Anhalt: Die Bevölkerung im Land hat im bundesweiten Vergleich den höchsten Altersdurchschnitt. Gut ein Viertel der Betriebschefs ist 60 Jahre und älter. Sie alle brauchen in den nächsten Jahren einen Nachfolger - ohne sicher sein zu können, dass sich auch ein Kandidat findet, der den Betrieb übernehmen will. "Von erfolgreichen Unternehmensfortführungen hängt gerade im klein- und mittelständisch geprägten Sachsen-Anhalt die Sicherung der Wirtschaftsstruktur und damit auch von Arbeitsplätzen ab", sagte Wolf-Dieter Schwab, Geschäftsführer der Bürgschaftsbank im Land.

Dabei wechseln schon seit Jahren mehr und mehr Firmen den Besitzer. Dieser Trend lasse sich seit 2013 bis jetzt nachweisen, hieß es. Die Autoren stützten sich für diese Aussage auf die Chefwechsel, die die Bürgschaftsbank finanziell unterstützte.

Die Industrie- und Handelskammern sowie die Handwerkskammern im Land mahnen seit Jahren dazu, rechtzeitig einen Nachfolger zu suchen. Ihr Rat: Betriebschefs sollten schon fünf Jahre vor ihrem Wechsel in die Rente eine Nachfolgelösung haben - und in Ruhe einarbeiten.

Tatsächlich verkaufen Unternehmer in Sachsen-Anhalt vergleichsweise früh ihre Betriebe an die nächste Chefgeneration. In einem Drittel der Fälle seien die Chefs bei der Übergabe jünger als 55, ein Drittel gebe im Alter zwischen 62 und 66 seine Firma ab, der Rest ist älter. Mit einem Durchschnittsalter von 61 Jahren sind die alten Chefs bei der Übergabe an ihre Nachfolger in Sachsen-Anhalt so jung wie in keinem anderen Bundesland.

Auch das könnte mit der Demografie zusammenhängen, vermuten die Wissenschaftler. "Möglicherweise trägt das wachsende Risiko einer nicht erfolgreichen Unternehmensübergabe zu einer frühzeitigen Beschäftigung der Unternehmer mit dem Thema Nachfolge bei." Vor allem in der Baubranche, im KfZ-Gewerbe und in den Freien Berufen wechselten Firmen den Besitzer.

Besonders aktiv sind demnach Unternehmer im Harz sowie in der Landeshauptstadt Magdeburg. Dort gebe es bereits jetzt überproportional viele Wechsel auf den Chefsesseln. Im südlichen Sachsen-Anhalt seien bisher vergleichsweise wenige Übernahmen zu verzeichnen. Die wenigsten Übernahmen gab es in Mansfeld-Südharz.