Gotha/Weimar (dpa) - In Deutschland ist die Monarchie seit 1918 keine Herrschaftsform mehr, doch auf Schloss Friedenstein im thüringischen Gotha ist ihre Geschichte noch sehr lebendig. Deswegen reiste am Dienstag das belgische Königspaar Philippe (59) und Mathilde (46) an. Die Monarchen wollten sich hier über ihre Wurzeln informieren, die im früheren Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha liegen. Die Adelsfamilie hatte im Schloss Friedenstein einst einen Sitz.

Zu Beginn seiner zweitägigen Deutschlandreise stand weniger das Königspaar, mehr die Geschichte der Königshäuser im Vordergrund. "Es dreht sich hier um Gotha und deswegen bin ich hier", sagte etwa die 80-jährige Elsa Wachsmann, die unter den rund 100 Schaulustigen stand, die das Königspaar vor dem Schloss begrüßten.

"Von der Chronik her ist das interessant, dass die Königshäuser so eng miteinander verbunden sind", erklärte auch Christa Dunkel (75) ihr Interesse. Der erste belgische König, Leopold I., stammte aus dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha. Er regierte von 1831 bis zu seinem Tod 1865. König Philippe ist sein Ahne.

Vor dem Schloss wurden die Monarchen von weiteren Ahnen des Herzogtums begrüßt - vom Oberhaupt des Hauses, Andreas Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha (76), seinem Sohn Hubertus (43) und dessen Frau Kelly (44).

Doch mal abgesehen von Verwandtschaft und Geschichte: Was fiel den Besuchern in Gotha zum Königspaar ein? "Das sind besondere, einfache Menschen - nicht so unnahbar", sagte Petra Ritter aus Ohrdruf. "Das sind genauso Menschen wie wir", meinte Dunkel.

Vermutlich wäre den belgischen Monarchen diese Einschätzung ganz recht. Gelten sie doch als zurückhaltend und eher verschlossen - ganz im Gegensatz etwa zum niederländischen Königspaar Willem-Alexander und Máxima, das 2017 mit einem ähnlichen Besuchsprogramm durch Thüringen und Sachsen-Anhalt reiste.

Im Kontakt mit den Besuchern gaben sich Philippe und Mathilde am Dienstag aber durchaus herzlich - sie, farblich passend zum bedeckten Himmel in Gotha, im taubengrauen Etuikleid, er mit blauer Krawatte. Freudestrahlend nahm Mathilde in Gotha eine Sonnenblume entgegen, die Christa Dunkel ihr mitgebracht hatte. Einige Momente behielt sie Dunkels Hände in ihren, tauschte sich mit ihr aus. "Hallo, wie geht es Ihnen", begrüßte währenddessen Philippe die Menge auf deutsch.

Von Gotha ging es für das Königspaar weiter in die Nähe von Weimar. Auf dem ehemaligen Appellplatz der Häftlinge in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald legte Philippe einen Kranz nieder. Als das Paar die Ausstellung der Gedenkstätte besuchte, wirkten sie konzentriert, vor allem Mathilde stellte immer wieder Nachfragen.

Den ganzen Tag über wurde das Königspaar von Thüringens Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Linke) und seiner Frau Germana Alberti vom Hofe begleitet. Am späten Nachmittag reiste die Delegation nach Weimar, um das Neue Museum und das Bauhaus-Museum zu besuchen.

Es ist der dritte offizielle Besuch der Belgier in Deutschland, seit Philippe 2013 zum König gekrönt wurde. Am Mittwoch geht es für die Delegation weiter nach Sachsen-Anhalt.