Magdeburg (dpa/sa) - Neun von zehn nach Sachsen-Anhalt geflüchteten Frauen wollen arbeiten. Acht von zehn sprechen Deutsch. Und doch ist nur eine von zehn Geflüchteten, die in Sachsen-Anhalt arbeiten, eine Frau. Das hat eine Studie des Caritasverbandes für das Bistum Magdeburg ergeben. Die neue Beratungsstelle "Blickpunkt: Migrantinnen" in Magdeburg soll den tausenden Frauen nun dabei helfen, einen Weg in den Arbeitsmarkt zu finden.

Der Arbeitsmarkt sei der Schlüssel zur Integration, sagte Sozial-Staatssekretärin Susi Möbbeck am Mittwoch bei der Vorstellung des Konzepts. Sachsen-Anhalt nehme mit der Fokussierung auf die Migrantinnen bundesweit eine Vorreiterrolle ein, sagte die Direktorin der Caritas für das Bistum Magdeburg, Cornelia Piekarski. Die Beratungsstelle ist im Interkulturellen Beratungs- und Begegnungszentrum der Caritas in Magdeburg untergebracht. Insgesamt zehn Mitarbeiter sollen sich da um die Beratung und Vermittlung von Migrantinnen kümmern.

Die Stelle soll in erster Linie dabei helfen, Frauen an bereits bestehende Fortbildungs- und Jobangebote zu vermitteln. Dafür gebe es aber kein Patentrezept, da die Frauen sehr unterschiedliche Qualifikationen mitbrächten. "Wir haben Frauen mit akademischen Höchstqualifikationen unter den Geflüchteten", sagte Möbbeck. Andere müssten hingegen erst lesen und schreiben lernen. Wichtig sei daher eine individuelle Beratung.

Doch neben der praktischen Hilfe für die Migrantinnen soll die Beratungsstelle auch Erkenntnisse für die Politik liefern: So sollen die Mitarbeiter Daten über die Gründe für die niedrige Beschäftigung von Migrantinnen erheben und überprüfen, ob vorhandene Instrumente zu deren Vermittlung den realen Anforderungen genügen. "Wir erwarten auch, dass Sie uns ja auf die Füße steigen", sagte Möbbeck in Richtung der zuständigen Caritas-Vertreter.

2500 Beratungen wollen die Mitarbeiter der Servicestelle in den zweieinhalb Jahren führen, für die das Projekt zunächst angelegt ist, und etwa 200 Bildungsmodule vermitteln. Neben der Niederlassung in Magdeburg soll es vergleichbare Stellen perspektivisch auch in Halle und an einem Standort im ländlichen Raum geben. Eine Million Euro stehen für die ersten 30 Monate des Projekts bereit. 80 Prozent davon stammen aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds, den Rest steuern Land, Caritas und weitere Träger bei.

Caritas-Broschüre zum Projekt