Halle (dpa) - Der Antisemitismusbeauftragte des Bundes, Felix Klein, hat die Menschen davor gewarnt, die Gefahren des Rechtsextremismus zu unterschätzen. Dieser bedrohe die ganze Gesellschaft. Antisemitismus stehe nicht für sich allein. "Jeder kann Opfer einer antisemitischen Straftat werden", sagte Klein am Dienstag in Halle. Die Zivilgesellschaft sei gefordert, konsequent gegen Hass und Hetze vorzugehen. Der Staat allein könne es nicht richten. Wie schnell aus Verschwörungstheorien terroristische Straftaten werden könnten, habe der Anschlag von Halle gezeigt.

Klein besuchte mit Vertretern des Jüdischen Weltkongresses die Anschlagsorte vom 9. Oktober 2019 und sprach mit Betroffenen. "Ich war geschockt von dem, was in Halle passiert ist. Und als ich jetzt nach einem Jahr wiederkam, war es fast noch schlimmer. Ich muss daran denken, was fast passiert wäre, nämlich ein Massaker", sagte Maram Stern, Vizepräsident des Jüdischen Weltkongresses. Die Vereinigung vertritt jüdische Gemeinden und Organisationen in 100 Ländern.

Der schwer bewaffnete Rechtsextremist Stephan Balliet hatte am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur 2019 versucht, die Synagoge in Halle zu stürmen. Als ihm dies nicht gelang, erschoss er auf der Straße eine Passantin und in einem Dönerimbiss einen Gast. Auf seiner Flucht verletzte der Deutsche mindestens zwei Menschen schwer. Gegen ihn läuft am Oberlandesgericht Naumburg der Prozess.

Der jüdische Weltkongress

Der Antisemitismusbeauftragte des Bundes