Halle (dpa/sa) - In Sachsen-Anhalt geht die Verwaltung der rund 500 Autobahn-Kilometer zum Jahresanfang 2021 auf die Autobahn GmbH des Bundes über. Der Chef der Niederlassung Ost, Klaus Kummer, sieht sich gut gerüstet. "Wir können loslegen", sagte Kummer. Der ideale Start wäre es für ihn und sein Team, wenn die Autofahrer vom Wechsel überhaupt nichts mitbekommen.

Die Autobahngesellschaft wurde geschaffen, um Planung, Bau und Betrieb der Bundesautobahnen in einer Hand zu konzentrieren. Die Ziele: Bessere Koordination, effizientere Finanzierung, schnellere Planung und Bau. Bisher gab der Bund zwar das Geld für das 13 000 Kilometer umfassende Bundesautobahnnetz, die Organisation war aber Ländersache.

Die regionale Verankerung sollen künftig zehn Niederlassungen gewährleisten. "Unser Zuständigkeitsbereich erstreckt sich komplett auf die Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen", benannte Kummer einen Vorteil gegenüber anderen Niederlassungen. Die seien oft länderübergreifend strukturiert.

Mit rund 1660 Kilometern betreue die Niederlassung Ost, mit Sitz in Halle, bundesweit das zweitlängste Streckennetz. Es umfasst 2812 Brücken, 56 Kilometer Tunnel und 5246 Ingenieurbauwerke. Außenstellen gibt es in Magdeburg, Erfurt und Dresden.

Rund 1200 Mitarbeiter, die zumeist von den bisherigen Landesstraßenbauverwaltungen kommen, sind in 18 Autobahnmeistereien, einer Tunnelleitzentrale und zwei Fernmeldemeistereien tätig. Instandhaltung, Reinigung, Winterdienst von Straßen und Rastplätzen gehören zu ihren Aufgaben. Eine Verkehrsmanagementzentrale bei Halle steuert den Fahrzeugstrom im mitteldeutschen Raum, zum Beispiel durch großräumige, flexible Beschilderung.

Die gebündelte Verantwortung soll dazu beitragen, dass der Verkehr künftig noch reibungsloser fließt, sagte Niederlassungsleiter Kummer. Auch Baustellen könnten nun besser aufeinander abgestimmt werden. Das helfe, Staus zu vermeiden. Insgesamt seien Mitteldeutschlands Autobahnen in gutem Zustand.

Fast alle Strecken, zu denen wichtige europäische Transitrouten wie die A2, A4, A9 oder die A14 zählen, wurden seit der Wiedervereinigung neu gebaut oder komplett saniert. Dieser Modernisierungsschub zeichne das ostdeutsche Autobahnnetz aus, sagte Kummer, der zuvor im Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr Sachsen-Anhalt tätig war.

Der Schwerpunkt der Tätigkeit liege daher auf dem Betrieb. Für die laufenden Neubauprojekte verspricht er ebenfalls einen nahtlosen Übergang. In Sachsen soll die Lücke der A72 zur A38 südlich von Leipzig geschlossen werden. In Sachsen-Anhalt wird an der Vollendung der A143, der Westumfahrung Halle sowie an der A14-Nordverlängerung gebaut. Bei diesen beiden sei die Deutsche Einheit Fernstraßengesellschaft (DEGES) in einigen Bereichen als Dienstleister tätig. Die DEGES sollte ursprünglich auch in der Autobahngesellschaft aufgehen. Aus rechtlichen Gründen bleibt es aber vorerst bei der Doppelstruktur.