Magdeburg (dpa/sa) - Nach deutlich gestiegenen Infektionszahlen fordern die Grünen in Sachsen-Anhalt deutlich drastischere Einschränkungen. "Wir müssen ab der kommenden Woche auch in Sachsen-Anhalt in einen harten Shutdown gehen, bevor es zu spät ist", teilte Parteichefin Susan Sziborra-Seidlitz am Freitag mit. Bis auf den Lebensmittelhandel und Apotheken müssen nach Ansicht der Grünen-Politikerin alle Geschäfte vorübergehend geschlossen werden.

"Auch bei uns haben die Coronafälle ein Maß angenommen, das bereits jetzt manche Kliniken und Pflegeheime an den Rand der Belastungsgrenze bringt", sagte die Parteichefin, die auch als Krankenpflegerin arbeitet. "Die Zeit zu handeln, ist jetzt." Auch der Präsenzunterricht an Schulen sollte laut der Grünen-Vorsitzenden zunächst ausgesetzt werden.

"Die dramatische Situation zeigt, wie verfehlt das weitere Aussitzen des Bildungsministers ist", sagte Sziborra-Seidlitz. Minister Marco Tullner (CDU) will die Schulen so lange es geht offen halten und begründet das mit dem Recht auf Bildung und den Erfahrungen aus der Zeit der geschlossenen Schulen im Frühjahr. Reiner Fernunterricht mit digitalen Angeboten und Aufgaben für zuhause benachteilige lernschwache Schülerinnen und Schüler sowie Familien, denen technische Ressourcen fehlten, hieß es aus dem Ministerium.

Die Landesregierung hatte die Corona-Verordnung am Freitag kurzfristig geändert. Dabei verschärfte das Kabinett jedoch nur die Corona-Regeln für Alten- und Pflegeheime. Ab Montag sollen Bewohner dort nur noch einen Besucher pro Tag empfangen dürfen. Mitarbeiter von Pflegeeinrichtungen und ambulanten Pflegediensten sollen außerdem zweimal pro Woche per Schnelltest auf Corona getestet werden.