Magdeburg (dpa/sa) - Hunderte Menschen haben am Freitag in Magdeburg gegen einen von Rechten initiierten Marsch anlässlich der Bombardierung der Stadt vor 75 Jahren demonstriert. Wie die Polizei mitteilte, habe es keine großen Zwischenfälle gegeben. Zu Gegenveranstaltungen hatten unter anderem Fridays for Future und das Bündnis Solidarisches Magdeburg aufgerufen. Das Bündnis zählte am Nachmittag 850 Menschen am Magdeburger Hasselbachplatz. Die Polizei sprach mit Blick auf die Demonstrationen am Abend von mehr als 750 Gegendemonstranten. Insgesamt habe es im Zusammenhang mit dem "Gedenkmarsch" mehr als 20 Veranstaltungen in der Stadt gegeben.

Erklärtes Ziel der Gegenproteste war es, gegen "Menschenverachtung, Rassismus und Geschichtsverfälschung" zu demonstrieren. Das Bündnis Solidarisches Magdeburg rief mit den Worten, "lasst uns den jährlichen Naziaufmarsch in Magdeburg endgültig zur Geschichte machen", zum Protest auf. Auch die Stadt wendet sich mit einer Aktionswoche, die etwa Konzerte, Lesungen und Diskussionen umfasst, gegen rechte Versuche, den Jahrestag der Zerstörung der Innenstadt zu vereinnahmen.

Die von Rechten beworbene Demonstration hatte das Motto "16 000 Tote - unvergessen". Damit wird auf die angebliche Tötung von 16 000 Menschen bei der Bombardierung angespielt. Diese Zahl ist inzwischen jedoch längst widerlegt, Historiker gehen heute von 2000 bis höchstens 4000 Toten aus. An der rechten Veranstaltung beteiligten sich laut Polizei rund 150 Menschen.

Es habe Sitzblockaden gegeben und Versuche, Absperrungen zu durchbrechen. "Das ist nicht ohne körperlichen Kontakt geschehen", sagte ein Polizeisprecher. Es habe aber keine größeren Zwischenfälle gegeben. Aktivisten warfen der Polizei auf Twitter vor, friedliche Demonstranten angegriffen zu haben. In dem sozialen Netzwerk wurden zudem Fotos verbreitet, die vermummte Teilnehmer des "Gedenkmarschs" zeigen sollen. Die Polizei konnte das am Abend weder bestätigen noch dementieren. Es müsse etwa noch Videomaterial ausgewertet werden. Auch zu Anzeigen oder möglichen Festnahmen wurden zunächst keine Angaben gemacht.

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