Quedlinburg (dpa/sa) - In der Debatte über Ostdeutschland werden aus Sicht des Schriftstellers und Filmemachers Alexander Kluge zu viele Phrasen gedroschen. "Die Sonntagsphrasen braucht man nicht. Dieses Schönreden", sagte der 87-Jährige in einem Interview der "Mitteldeutschen Zeitung" (Mittwoch). Im Osten habe es nach der Deutschen Einheit aktive Zerstörung gegeben. Die DDR-Industrie sei "überschnell" abgewertet worden, weil sie anders gewesen sei.

Kluge lebt heute in München, wurde aber 1932 in Halberstadt im Harz geboren und wuchs dort auf, bevor er nach der Trennung seiner Eltern im Jahr 1945 mit der Mutter nach Berlin zog. Am Donnerstag wird er vom Land Sachsen-Anhalt mit dem Klopstock-Preis für Literatur geehrt.

Kluge besuchte bis 1979 immer wieder seinen Vater in Halberstadt. "Oben war Planwirtschaft bis zum Lachanfall und unten eine Energie, die ermöglicht, dass es trotzdem klappt", beschreibt er seine Erinnerung an die DDR. Es gebe ein ostdeutsches Reparaturgenie, das genauso zur Industrie gehöre wie das Erfinden von Patenten, so Kluge.

Er selbst fühle sich bis heute mit seinem Geburtsort Halberstadt und der Region verbunden, sagte der 87-Jährige dem Blatt weiter. "Ich bin jetzt zwar etwas älter geworden, aber in meinem Herzen hat sich überhaupt nichts verändert."