Magdeburg (dpa/sa) - Sachsen-Anhalt hat die Benennung eines Landesopferbeauftragten als Ansprechpartner für Betroffene von schweren Gewalttaten verschoben. Es sei eine geeignete Personalie gefunden worden, sagte Justizministerin Anne-Marie Keding (CDU) am Dienstag in Magdeburg. Wer die ehrenamtliche Aufgabe übernimmt, wollte sie nicht sagen. Mit Blick auf die vielen Herausforderungen durch die Corona-Pandemie solle die betreffende Person derzeit nicht mit einer weiteren Aufgabe behelligt werden.

Sachsen-Anhalt hatte bereits vor Monaten angekündigt, eine zentrale Anlaufstelle einrichten zu wollen, an die sich Opfer von schweren Gewalttaten wie dem Terroranschlag von Halle wenden können. Sie wird derzeit aufgebaut und soll spätestens im Sommer voll einsatzbereit sein. So will Sachsen-Anhalt schnell auf schwere Ereignisse reagieren können und Betroffene beraten oder an Hilfsangebote vermitteln.

Obwohl die Stelle noch nicht eingerichtet war, wurde auch den Opfern des Terroranschlags in Halle von vielen Seiten geholfen, wie Keding unter Berufung auf einen Bericht zur Aufarbeitung des Geschehens sagte. Es habe viel Hilfe aus der Zivilgesellschaft sowie von Behörden und Polizei gegeben, sagte sie.

Wie vielen Augenzeugen, Opfern und Hinterbliebenen des Anschlags konkret geholfen wurde, ließ sie offen. Vier Menschen stellten Anträge auf Entschädigungen, zehn Betroffene nahmen eine Traumabehandlung in Anspruch, zählte Keding auf.

Am 9. Oktober hatte ein schwer bewaffneter Mann versucht, in eine mit jüdischen Gläubigen besetzte Synagoge einzudringen. Als das misslang, erschoss er eine 40 Jahre alte Passantin und einen 20 Jahre alten Mann in einem nahen Imbiss. Inzwischen hat der Generalbundesanwalt Anklage gegen einen damals 27 Jahre alten Deutschen erhoben. Sie wirft ihm zweifachen Mord und versuchten Mord in 68 Fällen vor. Der Prozess soll in Magdeburg stattfinden.

Justizministerin Keding kündigte an, dass Sachsen-Anhalt verstärkt gegen Radikalisierung - vor allem von Jugendlichen im Netz - vorgehen wolle, um schwere Gewalttaten zu verhindern.