Halle (dpa/sa) - In Sachsen-Anhalt sind die Jobchancen für Langzeitarbeitslose in der Corona-Krise nach Erkenntnissen von Arbeitsmarktexperten gesunken. Diejenigen, die es bisher immer schwer hatten, eine Beschäftigung aufzunehmen, hätten es jetzt noch schwerer, sagte Markus Behrens, Geschäftsführer der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit. Trotz umfangreicher staatlicher Finanzhilfe und Job-Coachings für Menschen, die länger als ein Jahr ohne Beschäftigung sind, seien Arbeitgeber bei Neueinstellungen zurückhaltender geworden. "Viele stehen wegen der Corona-Pandemie vor existenziellen Problemen und sind vor allem bemüht, ihr vorhandenes Personal zu halten", sagte Behrens.

Im Januar waren in Sachsen-Anhalt 33 500 Männer und Frauen länger als ein Jahr ohne Job, 1900 mehr als im Dezember und 6800 mehr als im Januar 2020. Behrens appellierte an die Arbeitgeber, zum Beispiel Fördermöglichkeiten mit bis zu 100 Prozent des Mindest- oder Tariflohns mehr zu nutzen, um Langzeitarbeitslosen in das Berufsleben zurückzuholen. Er verwies auf das vor zwei Jahren vom Bund beschlossene Gesetzespaket, das Teilhabechancengesetz, mit dem sogenannten sozialen Arbeitsmarkt als Bestandteil.

Über die Jobcenter in Sachsen-Anhalt wurden mit Stand September 2020 dadurch 2664 Langzeitarbeitslose in eine Beschäftigung in Unternehmen vermittelt. Das waren knapp 1000 mehr als im Vorjahresmonat. Die Tätigkeiten waren den Angaben nach überwiegend Helferjobs, so im Gartenbau oder in der Hauswirtschaft. In Sachsen-Anhalt waren 2020 den Angaben nach im Jahresdurchschnitt rund 86 110 Menschen arbeitslos, davon etwa jeder Dritte (rund 28 900 Menschen) länger als ein Jahr. Im Vergleich zu 2019 gab es im Land 4,7 Prozent Langzeitarbeitslose mehr.

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Fördermöglichkeiten für langzeitarbeitslose Menschen durch die Bundesagentur für Arbeit

Der Arbeitsmarkt im Januar in Sachsen-Anhalt