Magdeburg (dpa/sa) - Als Klaas Dannen sich zu seinem Kollegen beugt, um mit ihm zu reden, piept es in kurzen Abständen. Das Geräusch kommt von zwei unscheinbaren Geräten, von denen eins um Dannens Hals hängt und eines am Gürtel des Kollegen klemmt. Die beiden Gründer der Magdeburger Metratec haben den Corona-Sicherheitsabstand unterschritten - und die von ihnen entwickelten Tracker piepen. Zudem erkennen die Geräte einander und speichern den Kontakt ab. Metratec führte am Mittwoch seine neuste Entwicklung Wirtschaftsminister Armin Willingmann vor. Der SPD-Politiker machte im Rahmen einer Sommerreise Station bei der seit 15 Jahren existierenden Firma.

Die in Magdeburg entwickelten Kontakt-Tracker sollen Firmen mit vielen Beschäftigten helfen, im Falle eines erkrankten Mitarbeiters möglichst genau die Infektionsketten nachzuvollziehen - und eine groß angeordnete Quarantäne bis hin zum Produktionsstopp verhindern. Derzeit werde das Produkt von etwa 20 interessierten Firmen getestet, sagte Dannen. Es funktioniere im Prinzip genauso wie die Corona-Warn-App für Handys, habe aber für Betriebe mehrere Vorteile.

Zum einen könnten Beschäftigte nicht gezwungen werden, ein Smartphone zu haben und die App zu installieren, sagte Dannen. Zum anderen habe der Arbeitgeber im Zweifel gar keinen Zugriff auf die Kontaktdaten. "Die Kontaktdaten können mit einem Zahlencode ausgelesen werden", erklärte Dannen. "Sie sind nur auf dem Endgerät gespeichert, sodass es keine Rundumüberwachung der Mitarbeiter gibt."

Die Metratec wurde von Studierenden der Uni Magdeburg gegründet. Das ist ein Grund, warum Willingmann sie jetzt besuchte. Er ist bei Firmen zu Gast, die einen Bezug zu Hochschulen und Forschung haben. Sachsen-Anhalt brauche eine enge Verzahnung von Wirtschaft und Wissenschaft, um mit Start-ups und Ausgründungen innovativer zu werden, sagte Willingmann. Er will, dass das Land das Image loswird, eine verlängerte Werkbank mit billigen Arbeitskräften zu sein.

Ein zentraler Spieler bei diesem Bemühen soll die Uni Magdeburg sein. Die Hochschule hat an der Elbe, nur einen Steinwurf von Metratec entfernt, einen großen Forschungscampus mit den Schwerpunkten Medizintechnik, Robotik und Kunststofftechnik. Er ist einer von neun deutschlandweiten Projekten, die vom Bund über einen längeren Zeitraum mit Millionensummen gefördert werden. Erst am Dienstag sei die Zusage gekommen, dass es in den nächsten fünf Jahren weitere insgesamt zehn Millionen Euro gebe, sagte der Professor für Medizintechnik der Uni, Georg Rose.

Auf dem Campus arbeiten rund 60 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Erst im Frühjahr wurde ein weiteres modernes Gebäude vom Forschungscampus bezogen, in das sich auch Firmen und Start-ups einmieten können. Die Flächen seien schon wieder zu 70 Prozent vergeben, sagte Rose.

Diese Ansiedlungen erlaubten, dass Absolventen aus Sachsen-Anhalt im Anschluss auch in der Heimat gut bezahlte Jobs bekämen, sagte Willingmann. Inzwischen kämen auch zunehmend internationale Investoren ins Land. "Häufiger als nach Grundstückspreisen fragen die Firmen dabei: Wie sieht es mit den Fachkräften aus?"

Auch die Metratec hat mehrere Uni-Absolventen rekrutiert, aber auch Experten aus dem Ausland. Rund 25 Mitarbeiter hat das Unternehmen, wie Geschäftsführer Dannen sagt. Zwischen einer und zwei Millionen Umsatz mache das Unternehmen pro Jahr.

Normalerweise vor allem mit Funkanwendungen für Kunden: Logistiker können ihre Gabelstapler chippen und wissen jederzeit, wo sie auf dem Gelände sind. Und auch eine Firma, die Pokerturniere mit Fernsehübertragung organisierte, war schon dabei. Dank der eingebauten Funkchips wussten die Organisatoren, welche Karten die Spieler haben - und konnten das den Fernsehzuschauern anzeigen. Der entwickelte Corona-Kontakt-Tracker ist für große Industriebetriebe gedacht - oder für Firmen mit eng besetzen Büros, etwa Callcenter. "Wir haben Kundenanfragen aus der ganzen Welt", sagte Dannen.