Halle (dpa/sa) - Ein 39 Jahre alter Mann, der im Gefängnis einem Mithäftling einen Kugelschreiber in den Hals gerammt haben soll, ist einer Gutachterin zufolge psychisch erkrankt. Sie habe eine paranoide Schizophrenie festgestellt, der Mann habe von Wahnvorstellungen berichtet, sagte die Gutachterin am Freitag im Landgericht Halle. Sie führt die erhöhte Reizbarkeit des Angeklagten auf die bislang nicht behandelte Erkrankung zurück. Der Mann habe zum Tatzeitpunkt am 7. Januar 2020 nicht unter Alkohol- und Drogeneinfluss gestanden.

Der Mann habe sich bedroht gefühlt, weil der Mitgefangene die Hand zu einer Waffe geformt habe, so die Gutachterin. Er habe ihm einen "Denkzettel" verpassen wollen. Der Angeklagte war den Angaben zufolge kurz vor der Tat aus dem Gefängnis Burg nach Halle verlegt worden. In Burg habe er sich auffällig verhalten. Der Mann ist unter anderem wegen Drogenbesitzes und -handels sowie unerlaubten Waffenbesitzes verurteilt.

Ein rechtsmedizinischer Gutachter sagte, der Angriff mit dem Kugelschreiber sei geeignet gewesen, lebensgefährliche Verletzungen zu verursachen. Es habe aber keine unmittelbare Lebensbedrohung bestanden.

Die Staatsanwaltschaft hat den 39-Jährigen wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Demnach soll der Mann am 7. Januar dieses Jahres im Gefängnis in Halle beim Freigang auf dem Hof den Mitgefangenen unvermittelt angegriffen und schwer verletzt haben. Der Angeklagte bestreitet die Tat nicht.

Der Angegriffene hatte zum Prozessauftakt im November gesagt - wie auch ein Zeuge -, er habe jemanden mit einer Geste mit drei erhobenen Fingern gegrüßt. Es habe sich nicht um eine Bedrohung gehandelt.

Anders als zunächst angepeilt wurden am Freitag keine Plädoyers gehalten. Das könnte nun beim nächsten angesetzten Verhandlungstermin am 16. Dezember geschehen. Dann könnte auch das Urteil fallen.

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