Halle (dpa/sa) - Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) hat nach Bekanntwerden seiner Corona-Impfung auf die Kritik von Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) reagiert. Fortan sollten Reste des Impfstoffes nicht mehr an Mitglieder des städtischen Katastrophenschutzstabes und die Stadträte verabreicht werden können, sagte Wiegand am Montag. Diese Praxis habe die Ministerin gerügt.

Das Stadtoberhaupt betonte jedoch, dieser Kritik nur widerwillig zu folgen. "Der Katastrophenstab und meine Person haben dazu eine andere Auffassung." Sowohl der Katastrophenschutz als auch die Stadträte seien aus seiner Sicht Schlüsselstellungen "zur Aufrechterhaltung zentraler städtischer Funktionen."

Wiegand hatte am Samstag eingeräumt, dass er und zehn seiner Stadträte bereits eine Impfung bekommen hätten, obwohl sie nicht zur ersten Prioritätsgruppe gehörten. Ihm zufolge hatte die Stadt ein Verfahren für den Umgang mit Impfdosen entwickelt, die am Ende des Tages übrig bleiben und nicht bis zum nächsten Tag haltbar sind. Demnach wurden bei solchen Resten zunächst Menschen der ersten Prioritätsgruppe angerufen.

Standen die nicht für eine spontane Impfung zur Verfügung, wurde mit einem "Zufallsgenerator" ein Kandidat aus einem Pool aus Rettungsdiensten, Fachärzten, Stadträten und Angehörigen des Katastrophenstabes gezogen, hatte Wiegand erklärt. Im Rahmen dieses Verfahrens sei er am 17. Januar angerufen worden und habe sich impfen lassen, nachdem er sich vergewissert habe, dass keine anderen Kandidaten zur Verfügung stehen.

Infolge der Kritik sei das Verfahren nun aber gestoppt worden, sagte der Oberbürgermeister am Sonntag. In einem Brief habe er Ministerin Grimm-Benne um eine landesweite Regelung zum Umgang mit den übrigen Dosen gebeten.

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