Quedlinburg (dpa/sa) - Vor 30 Jahren marode und abrissreif, heute größtenteils saniert und strahlend schön: Die Stadt Quedlinburg hat am Dienstag die Aufnahme ihres Altstadtensembles in die Unesco-Welterbeliste vor 25 Jahren gefeiert. Mit Gästen aus Politik, Wirtschaft, Tourismus und Kultur erinnerte die Harzstadt im Großen Haus des Nordharzer Städtebundtheaters auch an die Zeit Mitte der 1990er Jahre, als die Altstadt rund um Stiftskirche und Schlossberg dem Verfall näher war als dem Erhalt. 

"Es ist nicht einfach, diesen Titel zu holen, aber die Qualität dieser Stadt hat schnell und herausragend überzeugt", sagte Anne Katrin Bohle, Staatssekretärin im Bundesinnenministerium, in ihrer Festrede. Bohle stellte die Bedeutung als "Erbe der Menschheit" heraus. "Das ist das, was Sie hier tragen", sagte sie. 

Die heute rund 24 000 Einwohner zählende Kleinstadt war im Mittelalter eine der wichtigsten Königs- und Kaiserpfalzen und ist heute eines der größten Flächendenkmale Deutschlands. Die Unesco stellte die historische Altstadt Quedlinburgs mit seinen fast 2100 Fachwerkhäusern aus acht Jahrhunderten am 17. Dezember 1994 unter Schutz. Seitdem wird das Areal mit großem Aufwand erhalten - nach Angaben der Stadtverwaltung werden inzwischen 75 Prozent des Gebäudebestands als saniert angesehen. 

"30 Jahre unermüdlicher materieller und ideeller Einsatz" liegen laut Oberbürgermeister Frank Ruch (CDU) hinter allen Beteiligten. Ruch zufolge brachten bis heute rund 140 Millionen Euro Fördermittel von EU, Bund und Land sowie etwa 30 Millionen Euro der Deutschen Stiftung Denkmalschutz das mehr als 80 Hektar große Flächendenkmal  "zum Blühen." Daran habe dem Stadtoberhaupt zufolge auch die erfolgreiche Netzwerkarbeit ihren Anteil. In Quedlinburg haben unter anderem die Geschäftsstelle des Vereins Unesco-Welterbestätten Deutschland und das Deutsche Fachwerkzentrum ihren Sitz.

Sachsen-Anhalts Kultur-Staatssekretär Gunnar Schellenberger sagte, der Titel sei auch Verpflichtung, die über "die Liebe zum Denkmal" weit hinaus gehe. Er kündigte an, das Land werde weiter Geld geben, auch für die Vermarktung der Stadt in der ganzen Welt. "Der chinesische Flyer ist gerade fertig geworden", sagte Schellenberger mit einem Schmunzeln in Richtung der anwesenden Stadtvertreter.

Mit den Feiern zu "25 Jahre Unesco-Welterbe" geht in Quedlinburg ein aufwendiges "Superfestjahr" zu Ende, in dem es Stadtjubiläen, Jahrestage, eine große Doppel-Ausstellung und den Sachsen-Anhalt-Tag unter dem Motto "Welterbe Weltoffen Willkommen" gegeben hat.

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