Magdeburg (dpa/sa) - In Sachsen-Anhalt schießen wegen des Coronavirus von Montag an alle Schulen bis zum Ende der Osterferien. Das hat das Kabinett am Freitag in einer Sondersitzung in Magdeburg beschlossen. "Weiteres Zögern bringt nichts", sagte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) am Freitag in der Landeshauptstadt. "Jetzt geht es um Leib und Leben." Die Zeit sei kurz bis Montag, aber es sei zu bewältigen. "Ziel all unserer Bemühungen ist es, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen."

In Sachsen-Anhalt gibt es laut Statistischem Landesamt rund 870 allgemeinbildende Schulen mit mehr als 197 100 Schülerinnen und Schülern. In den etwa 1700 Kitas werden gut 150 000 Kinder betreut. Die einwöchigen Osterferien beginnen am 6. April. Damit würden die Schulen gut vier Wochen geschlossen bleiben.

"Die Schulen richten unterrichtliche Angebote ein", heißt es in einer Mitteilung der Landesregierung. Bildungsminister Marco Tullner (CDU) sagte, für die Kinder, die keine andere Möglichkeit hätten, werde es eine Betreuung geben. Zudem betonte er, dass keiner Schülerin und keinem Schüler Nachteile wegen bevorstehender Abschlüsse entstünden.

Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) sagte, es werde eine Notbetreuung eingerichtet. In Halle habe sich gezeigt, dass viele Eltern nicht wissen, wo sie mit ihren Kindern hinsollen. Die Stadt Halle werde aufgefordert, eine Notbetreuung einzurichten, sagte Grimm-Benne. Diese sei explizit für diejenigen gedacht, die keine Möglichkeit haben, Kinder selber zu betreuen.

In der Stadt Halle sind schon seit Freitag alle Schulen, Kitas und Horte geschlossen. Die Stadt war die erste deutsche Großstadt, die zu dieser weitreichenden Maßnahme gegriffen hatte. Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) hatte explizit gesagt, es werde keine Notbetreuung geben, um Infektionsketten zu unterbrechen. In Halle war auch verfügt worden, dass keinerlei öffentliche Veranstaltungen mehr stattfinden sollen. Ziel ist auch hier, die Ausbreitung des Erregers Sars-CoV-2 zu verlangsamen. Am Freitag wurden zudem zahlreiche weitere Schließungen und Absagen bekannt.

Zuvor hatten unter anderem schon zahlreiche andere Bundesländer Schulschließungen verkündet. In Sachsen-Anhalt sind bislang mehr als 30 Erkrankungen bestätigt. Nach Angaben von Sozialministerin Grimm-Benne befinden sich derzeit rund 1200 Menschen in Sachsen-Anhalt in Quarantäne. Von den bisher nachweislich Infizierten seien Männer und Frauen gleichermaßen betroffen. Keiner müsse im Krankenhaus behandelt werden.

Unterdessen werden in Sachsen-Anhalt immer mehr Veranstaltungen abgesagt und öffentliche Einrichtungen geschlossen. Grimm-Benne riet auch davon ab, Tanzveranstaltungen und Clubs zu besuchen. Auch das Land verzichtet laut Haseloff auf seine Veranstaltungen. Zudem rief er dazu auf, Operationen, die nicht unbedingt notwendig seien, zu verschieben, um die Kapazitäten freizuhalten für "das, was kommt". Die Landesregierung empfahl auch, bis zum 13. April keine Veranstaltungen in geschlossenen Räumen durchzuführen.

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