Magdeburg (dpa) - Die Herausforderungen schrumpfender Regionen werden aus Sicht der sachsen-anhaltischen Wohnungswirtschaft viel zu wenig beachtet. Bundesweit gehe es stets um Wohnungsmangel und steigende Mieten in den Metropolen, kritisierten die Verbandschefs Ronald Meißner und Jens Zillmann am Dienstag in Magdeburg. "Schrumpfung ist einfach nicht sexy", sagte Meißner, auch mit Blick auf die Kommission der Bundesregierung zur Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse. Bei letzterer sei es schon ein Erfolg, dass der Bericht anerkenne, dass gravierende Unterschiede zwischen den Regionen bestünden.

Die Bundesregierung stellt am Mittwoch die Ergebnisse der Kommission vor. Für das Bundesland forderten die Verbandschefs, dass die Regierung von Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) selbst ein Gesamtkonzept erarbeiten müsse, wie gleichwertige Lebensverhältnisse im schrumpfenden Sachsen-Anhalt umsetzbar seien.

Die Verbände arbeiten zusammen mit Vertretern aus Thüringen und Nordrhein-Westfalen zum Thema Wohnen bei der Kommission mit, wie Zillmann sagte. Dabei gehe es den anderen beiden Ländern um Projekte, um angespannte Wohnungsmärkte wie Jena und Düsseldorf zu entlasten. Aus Sachsen-Anhalts Sicht sei für viele Regionen die Frage zu beantworten, wie sie attraktiver Wohnraum sein könnten.

Die Verbandschef forderten ein neues Stadtumbauprogramm, in dem auch der Abriss von nicht mehr genötigtem Wohnraum erneut gefördert werde. Das sei angesichts des Wohnungsmangels in anderen Orten zwar paradox, sagte Verbandschef Meißner. "Aber wir werden die Bevölkerung nicht kriegen, die wir brauchen."

Prognosen zufolge verlieren in Sachsen-Anhalt bis auf Magdeburg und Halle alle Kreise weiter deutlich an Einwohnern. Die kommunale und genossenschaftliche Wohnungswirtschaft vertritt nach eigenen Angaben 192 Unternehmen, die knapp 330 000 Wohnungen verwalten.

Verband der Wohnungswirtschaft Sachsen-Anhalt e.V.