Gwangju/Magdeburg l Thomas Bach übernahm die Siegerehrung höchstpersönlich. Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees überreichte zunächst die Silbermedaille, dann das Plüschmaskottchen, den hellblauen der beiden Otter namens Suri. Hielt einen kurzen Plausch mit Sarah Köhler, die sich danach den jubelnden Athleten des Deutschen Schwimmverbandes (DSV) auf der Tribüne des Nambu Municipal Aquatics Center widmete. Nach der ersten und erlösenden Medaille für den DSV bei der WM in Gwangju (Südkorea). Nach der ersten Becken-Medaille ihrer Karriere. Nur fünf Tage zuvor war sie mit Gold in der Freiwasser-Staffel dekoriert worden.

Ihre Freude drückte Köhler aus der Trainingsgruppe des SC Magdeburg mit einem strahlenden Lächeln und dem Funkeln in ihren blauen Augen aus. „Die Siegerehrung war schon sehr emotional“, sagte sie gestern der Volksstimme, „auch wenn ich meine eigene Hymne nicht gehört habe. Ich bin einfach mega happy.“

Im verbalen Rückblick blieb sie dennoch seriös, ja beinahe nüchtern. „Das Rennen hat sich eigentlich schlechter angefühlt als der Vorlauf“, berichtete sie. In dem war sie ja bereits deutschen Rekord geschwommen in 15:54,08 Minuten. Im Endlauf blieb sie sogar noch satte 5,25 Sekunden unter dieser Zeit, schlug nach 15:48,83 Minuten an. „Ich war über meine Zeit mehr als überrascht“, erklärte die 25-Jährige.

Top-Favoritin sagte Start ab

Ob es mit Katie Ledecky neben sich noch schneller gegangen wäre, sei dahingestellt. Die Weltrekordlerin aus den USA hatte am Vormittag ihren Start abgesagt. Nicht nur über 1500 Meter, auch im Vorlauf über 200 Meter Freistil. Ihr Verband teilte mit, der 22-Jährigen gehe es seit der Ankunft in Gwangju am 17. Juli gesundheitlich nicht gut. Womit sich auch ihr Endspurt über die 400 Meter Freistil erklärt, als sie quasi stehengeblieben war auf der letzten Bahn und Silber ins Ziel gerettet hatte. Aber klar war mit der Absage auch Köhler: „Da haben dann mehrere Athletinnen mit dem Titel geliebäugelt.“

Aber nur eine schwamm dem Feld weit und weiter voraus: Simona Quadarella aus Italien siegte mit neuem Landesrekord in 15:40,89 Minuten und gab danach völlig aufgelöst in Tränen die ersten Interviews. Während Köhler einfach nur jubelte. „Nachdem die Italienerin bei 400 Metern doch schon ein Stück weg gewesen war, war das ein Kampf so ein bisschen gegen mich selbst“, erzählte sie.

Dieser hatte ihren Trainer begeistert: „Das war ein sehr kämpferisches Rennen von Sarah“, sagte Bernd Berkhahn der Volksstimme. „Sie ist mit hohen Frequenzen geschwommen und hat dabei viel Kraft eingesetzt. Und die Wenden waren sehr gut.“

Gerade an den Wenden hatte sie seit dem vergangenen Sommer, seitdem sie in Magdeburg unter Berkhahn trainiert, gearbeitet. Im Vorfeld der WM hatte sie noch berichtet: „Die sind weitaus besser geworden.“

Sie war ja sowieso mit einem guten Gefühl in Gwangju angetreten, nur nicht immer mit den besten Trainingszeiten. Und erst recht war sie zuvor in der Saison nicht einmal unter 16 Minuten geblieben. Das hatten ihr viele der Konkurrentinnen voraus. Nun hat sie auch in dieser Hinsicht einen großen Schritt in Richtung Sommerspiele in Tokio gemacht. Wenn auch überraschend: „Ich hätte nicht gedacht, dass ich so schnell schwimmen kann.“

Vielleicht geht es im nächsten Rennen wieder schnell für die Freundin von Florian Wellbrock, der sich womöglich nach seinem Ausscheiden gestern über die 800 Meter Freistil im Freudentaumel der DSV-Mannschaft ein wenig trösten konnte. Denn mit Silber, das Köhler zugleich eine Prämie des Weltverbandes Fina von 13 300 Euro bescherte, dürfte auch etwas Last von seinen Schultern gefallen sein.

Fest steht: Schlechter als bei der WM 2017 kann es in Gwangju nicht werden für die Beckenschwimmer. Damals holte nur Franziska Hentke vom SCM über 200 Meter Schmetterling eine Silbermedaille. Und weitere Chance auf Edelmetall hat der DSV noch in Südkorea – auch durch Köhler, die am Freitag im Vorlauf über 800 Meter startet.