Fußball

Der FCM und seine Baustellen

Vor der schweren Aufgabe beim FC Viktoria Köln gilt es für den FCM, einige sportliche Baustellen zu beseitigen.

Magdeburg l Thomas Hoßmang war auf der Pressekonferenz vor dem Auswärtsspiel beim FC Viktoria Köln (Samstag 14 Uhr) tiefenentspannt. Der Trainer des 1. FC Magdeburg beantwortete die Fragen immer wieder mit einem süffisanten Lächeln.

Er wirkte nicht so, als hätte sein Team am Mittwochabend mit der deftigen 0:3-Heimpleite gegen 1860 München einen weiteren Rückschlag im Drittliga-Abstiegskampf eingesteckt. Er wirkte nicht so, als wenn sein Team in der Rückrunde bislang die erschreckende Bilanz von null Punkten und null Toren aufweist. Und er wirkte nicht so, als würden das Team und vor allem er selbst vor dem „Sechs-Punkte-Spiel“ beim Tabellen-14. gehörig unter Druck stehen.

Wenn der FCM in Köln die Wende einleiten will, muss sich einiges ändern. Denn bei den Blau-Weißen gibt es genug Baustellen. Ein Überblick:

Im Volksstimme-Interview vor der Saison hatte Hoßmang angekündigt, dass „wir alle Spieler brauchen werden“. Vor dem vollgepackten Januar mit sieben Partien wiederholte er das. Die Realität vor dem letzten Duell des Monats: Nur 17 von möglichen 32 Spielern standen in der Startelf. In den vergangenen vier Partien waren es sogar nur zwölf. Klar, eine Handvoll Spieler fehlt verletzt. Dennoch schöpft Hoßmang die Breite seines Kaders nicht aus, obwohl Kapitän Tobias Müller nach dem Halle-Spiel über Ermüdung klagte.

Gestandene Spieler wie Jürgen Gjasula und Kai Brünker werden von Hoßmang bislang genauso ignoriert wie Youngsters, die mit ihrer Unbekümmertheit vielleicht helfen könnten. Nico Mai und Julian Weigel lässt der ehemalige Leiter des Nachwuchsleistungszentrums konsequent auf der Tribüne schmoren. Henry Rorig und Philipp Harant stehen nur aufgrund der U-23-Regel im Kader.

Versäumnisse gesteht Hoßmang nicht direkt ein, beteuert stattdessen, sein Team war vor dem 1860-Spiel „stabil“. Dennoch kündigte er jetzt für das Kellerduell in Köln an: „Wir werden schon die eine oder andere Veränderung auf den Platz bringen müssen.“ Gjasula und Brünker sind plötzlich „sicherlich auch Optionen“.

Dass ruhende Bälle in der Offensive in dieser Saison selten ein Mittel beim FCM waren, ist bekannt. Während nach Freistößen zumindest schon drei Treffer fielen, münzten die Blau-Weißen noch nicht eine einzige Ecke in ein Tor um. Und jetzt werden offensichtlich auch die gegnerischen Standards zum Problem.

Zumindest traf 1860 zweimal nach dem identischen Freistoß-Muster, und Erik Tallig köpfte eine Münchner Ecke zusätzlich noch an den Pfosten. Es gebe, versicherte Hoßmang, immer einen Tag in der Trainingswoche, an dem Standards trainiert werden. Doch da sollte künftig vielleicht noch eine Extraschicht eingelegt werden. An die „klaren Handlungsmuster“ haben sich die FCM-Spieler zumindest gegen 1860 nicht gehalten.

Für den Moment scheinen Mentalität und Teamgeist nicht zu stimmen. Was die Frage aufwirft: Warum nicht? Laut Hoßmang fehlte die „geistige Frische“. Es gab Aussprachen mit dem Team. Auch mit Sportdirektor Otmar Schork. In Köln soll wieder „ein anderes Gesicht“ gezeigt werden. „Man hat das Gefühl gehabt, dass es eine Mannschaft ohne Struktur und Beziehung zueinander ist“, verdeutlichte Ex-Bundesliga-Profi und MagentaSport-Experte Martin Lanig nach dem jüngsten 0:3. Dass einiges im Argen liegt, zeigten schon vorher die Suspendierung von Gjasula und Sören Bertram oder der Rücktritt von Publikumsliebling Christian Beck als Kapitän.

Dass in einer langen Saison Spieler immer wieder verletzungsbedingt ausfallen, gehört ohne Frage dazu. Beim FCM haben sich in den vergangenen Monaten die Muskelverletzungen aber auffallend gehäuft. Luka Sliskovic fällt deshalb schon wochenlang aus. Leon Bell Bell stand eine halbe Spielzeit lang nicht zur Verfügung. Und Winterneuzugang Baris Atik zog sich unmittelbar nach seiner Ankunft einen Muskelfaserriss zu. Auch die beiden Leihgaben Florian Kath (erst 117 Einsatzminuten) und Maximilian Franzke sind große Sorgenkinder. Vor allem die erneute Verletzung von Franzke wirft Fragen hinsichlich der Belastungssteuerung auf. Bei seiner Rückkehr nach einem Sehnenanriss in Halle zog er sich erneut eine Muskelverletzung zu.

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