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Ein letztes erstes Mal: Beck verabschiedet sich vom 1. FC Magdeburg

Über ein Probetraining kam Christian Beck im November 2012 zum damaligen Regionalligisten 1. FC Magdeburg. Heute läuft er ein letztes Mal in einem Ligaspiel für seinen Herzensverein auf.

Von Kevin Gehring

Magdeburg - Dass Christian Beck den 1. FC Magdeburg eines Tages als Vereinslegende verlassen würde, daran war im Sommer 2012 noch nicht zu denken. Der großgewachsene Angreifer lag damals aufgrund eines gescheiterten Wechsels zu RB Leipzig im Clinch mit seinem Verein Germania Halberstadt. Das damalige FCM-Präsidiumsmitglied Mario Kallnik kündigte zwar an: „Wir werden noch einen Spieler, einen Stürmer, verpflichten.“ Doch betonte Kallnik seinerzeit zugleich deutlich: „Beck ist es auf keinen Fall.“

Es sollte noch einige Monate dauern, bis die Wege an der Elbe dann doch zusammenführten. Nämlich als Beck im November gemeinsam mit zwei weiteren Stürmern zur Probe trainierte – und seinen früheren Coach aus Halberstadt, Andreas Petersen, begeisterte. „Mein Favorit ist Christian Beck, denn er hat Torjägerqualitäten“, sagte der FCM-Übungsleiter damals.

Unterschrift beim FCM

Die Verpflichtung Becks wurde zur Hängepartie, bis der damalige Regionalligist am 13. Dezember 2012 Vollzug vermelden konnte. „Ich bin sehr zufrieden und freue mich riesig auf meine Zeit beim FCM“, sagte Beck zu seiner Vertragsunterschrift. Dass er letzten Endes achteinhalb Jahre in Magdeburg bleiben und das prägende Gesicht der erfolgreichsten Ära nach der Wende werden würde, hatte er damals wohl kaum vor Augen.

Ein erstes Tor von vielen

Doch scheint Petersen sehr wohl gewusst zu haben, welche Fähigkeiten der 1,96-Meter-Hüne mitbringt. Die versprochenen Torjägerqualitäten wies der gebürtige Erfurter nämlich auf Anhieb nach, knipste in den Testspielen und am 8. März 2013 – im nebligen Regionalliga-Gastspiel beim VFC Plauen (3:3) – erstmals für seinen neuen Arbeitgeber. 147 weitere Pflichtspieltreffer sollten bis heute folgen.

Erste Furore im DFB-Pokal

Den ersehnten Drittliga-Aufstieg verpasste Beck zwar in seinen ersten beiden Spielzeiten an der Elbe, doch persönlich konnte sich der Angreifer nicht beschweren. In der Saison 2013/14 holte sich „Beckus“ mit 22 Treffern erstmals die Torjägerkanone der Regionalliga Nordost. Diese Trophäe verteidigte er in der Folgesaison mit 20 Toren. Im DFB-Pokal konnte der Angreifer 2014 ebenfalls von sich reden machen, erzielte beim 1:0-Überraschungserfolg über den FC Augsburg den sehenswerten Siegtreffer. „Das war mein bisher größtes Spiel und wichtigstes Tor“, strahlte der Angreifer danach vor Glück.

Aufstiegsparty an der Elbe

Und auch zum Saisonende durften Beck und der FCM jubeln – nach intensiven Relegationsspielen gegen Kickers Offenbach (1:0, 3:1), in denen der Angreifer das wichtige Siegtor durch Nicolas Hebisch im Hinspiel vorbereitete, war der Aufstieg in die 3. Liga am 31. Mai 2015 perfekt. „Was wir erreicht haben, hat die Stadt und die ganze Region begeistert“, schrie ein heiserer Beck tags darauf vom Rathausbalkon den feiernden Fan-Massen auf dem Alten Markt entgegen. Zuvor hatte sich der Angreifer bereits im Goldenen Buch der Landeshauptstadt verewigt.

Der Traum geht weiter

Doch war der Drittliga-Aufstieg nicht etwa der Höhepunkt des Beck-Märchens beim FCM, er war gerade erst der Anfang. Der Angreifer knipste auch in der neuen Spielklasse weiter – und führte die Blau-Weißen schließlich 2018 mit seinem kongenialen Offensiv-Partner Philip Türpitz zur erneuten Meisterschaft und damit in die 2. Bundesliga. „Nach dem Aufstieg habe ich noch einige Tage gebraucht, um zu realisieren, was wir eigentlich geschafft haben“, gestand „Beckus“ und ergänzte: „Es ist vor allem etwas Besonderes, wenn man überlegt, wo wir herkommen.“

In der Geschichte verewigt

Doch Beck konnte auch 2. Bundesliga, kam im Unterhaus auf stolze 16 Torbeteiligungen. So war es dem Torjäger vom Dienst vorbehalten, am 5. August 2018 gegen den FC St. Pauli (1:2) den ersten Zweitliga-Treffer der Vereinsgeschichte zu erzielen. „Für mich waren es Glücksgefühle pur“, sagte er nach seinem historischen Treffer. „Ich bin in die Ecke gelaufen, um mit den Fans und meiner Familie, die dort auch saß, zu feiern.“ Dasselbe Kunststück gelang „Beckus“ schon drei Jahre zuvor, als er per Kopf zum ersten Drittliga-Tor der FCM-Historie gegen seinen Jugendverein Rot-Weiß Erfurt (2:1) traf.

Das vorerst letzte Kapitel

Am heutigen Sonnabend wird das Buch mit Becks FCM-Geschichte vorerst geschlossen, wenn der Angreifer um 13.30 Uhr gegen Unterhaching zum letzten Saisonspiel der Blau-Weißen aufläuft. Und wenn die Club-Legende damit noch einmal etwas Neues kennenlernt, dann dies: Die Erfahrung eines letzten Spieles.