Weltcup EM-Titel für Ammour und Schrecksekunden im Viererbob
Spektakuläre Szenen im Viererbob in St. Moritz: Drei der vier Amerikaner stürzen am Start. Der US-Pilot kommt allein ins Ziel. Auch Topstar Francesco Friedrich passiert ein Malheur.

St. Moritz - Der Überraschungssieg des neuen Viererbob-Europameisters Adam Ammour ging im Wirbel von St. Moritz etwas unter. Alle redeten nur über das Mega-Malheur von US-Pilot Kristopher Horn. Solche Szenen hatte man bislang nur im Disney-Kultfilm „Cool Runnings“ gesehen. Beim Viererbob-Weltcuprennen auf der legendären Natureisbahn stürzten beim Anschieben alle drei Crewmitglieder von Horn.
Schlitternd und rutschend konnten die Amerikaner nur noch hinterherschauen, wie Horn den 210 Kilogramm schweren Schlitten allein Richtung Ziel steuerte. Aufgrund des fehlenden Gewichts schleuderte er die 1.722 Meter lange Piste im Schweizer Engadin förmlich hinunter.
Den Sieg holte sich unerwartet Ammour. „Mein erster Weltcupsieg im Vierer, wir können es gar nicht fassen. Liebe Grüße nach Hause an meine Mama“, sagte Ammour. Gemeinsam mit Bruder Issam Ammour, Joshua Tasche und Alexander Schaller fing er dank Laufbestzeit den nach Durchgang eins in Führung liegenden Johannes Lochner noch mit sieben Hundertstelsekunden Vorsprung ab. So verpasste der Berchtesgadener nach seinem Sieg im Zweierbob das erhoffte erste EM-Double.
Auch Friedrich-Crew patzt am Start im ersten Lauf
Im auch laut Chefbundestrainer Rene Spies „kuriosen Rennen“ fieberten erst alle bei Francesco Friedrich mit. Der viermalige Olympiasieger krachte trotz Startbestzeit von 4,98 Sekunden beim Einsteigen mit dem rechten Anschubbügel an die Eisbande, dadurch ließ er sich nicht einklappen. Da nutzte auch das Draufhauen von Anschieber Felix Straub nichts.
So ging es mit voller Geschwindigkeit und enormer Sturzgefahr in die Steilkurve. Erst im unteren Bereich klappte der Bügel ein. Doch wertvolle Zeit blieb im Eiskanal liegen. So kam der Rekordweltmeister nur auf Rang 14 im ersten Lauf. Mit drittbester Laufzeit verbesserte er sich später noch auf Gesamtrang sechs.
„Ich bin zu weit gerannt, daher konnten die Jungs nicht schnell genug einsteigen. Der Anschubbügel setzte auf. Dadurch verlieren wir Zeit. Es ist passiert, relativ selten, gehört aber dazu“, sagte Friedrich.
Dann setzte der US-Bob noch einen drauf: Alle drei Anschieber rutschten weg und kamen nicht in den Schlitten. Nach der Rumpelfahrt rutschte Pilot Horn gedankenschnell von den Lenkseilen drei Positionen nach hinten auf die Bremserposition und brachte seinen großen Schlitten zum Stehen.
Spontan erntete er Applaus von den anderen Bobfahrern und den Fans an der Strecke. Das Team wurde laut Regelement disqualifiziert, da alle vier Insassen ins Ziel kommen müssen.